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Wie das Leben so spielt
Datum: 03.06.2026, Kategorien: Romantisch
... Kampf gegen das Aufgeben, gegen die Erschöpfung. Oben angekommen, öffnete Martin mit dem Zweitschlüssel die Tür, bugsierte den reglosen Körper in die Wohnung und manövrierte ihn mühsam ins Badezimmer. Wie eine leblose Puppe stand Ralph da, als Martin ihn von seiner durchgeschwitzten Kleidung befreite. Wortlos, willenlos. Martin drehte das Wasser in der Dusche voll auf kalt - ein schockartiger Strom, der über Ralphs Kopf und Schultern niederging. Doch Ralph reagierte kaum. Kein Aufschrei, kein Zusammenzucken. Nur ein dumpfer, leerer Blick in den Fliesenboden. Martin starrte ihn an. Da stand ein Mann - entkernt, ausgelaugt, aufgegeben. Es hatte keinen Sinn. Mit einem hörbaren Seufzer drehte Martin das Wasser ab, trocknete Ralph grob ab und schleppte ihn ins Schlafzimmer. Er ließ ihn regelrecht aufs Bett fallen, wo der Körper sofort in sich zusammensackte. Wenige Sekunden später war Ralph eingeschlafen - mit offenem Mund, tiefem Schnaufen und dem Alkoholgeruch, der wie ein schwerer Dunst den Raum erfüllte. Martin blieb noch einen Moment stehen, betrachtete die Szenerie mit stillem Entsetzen. "Mann, was ist nur mit dir los, Ralph?", murmelte er, fassungslos und bitter zugleich. Dann verließ er die Wohnung, das Herz schwer, die Gedanken kreisend. Als er eine halbe Stunde später zur Feier zurückkehrte, war der Geräuschpegel kaum geringer geworden. Noch immer wurde gelacht, diskutiert, getrunken - als wäre nichts geschehen. Nicole entdeckte ihn sofort, ihre Augen ...
... leuchteten auf. Es war keine gespielte Freude. "Und? Was ist mit Ralph?", fragte sie vorsichtig. "Der schläft jetzt seinen Rausch aus", antwortete Martin nüchtern. "Morgen früh wird sein Schädel wahrscheinlich explodieren." Nicole verzog das Gesicht, als hätte sie gerade in eine Zitrone gebissen. "Wenn ich daran denke, dass ich morgen früh seine miese Laune ertragen muss, wird mir jetzt schon schlecht." Martin warf ihr einen mitfühlenden Blick zu. Sie wirkte jung, ja - aber nicht naiv. Da war etwas Reifes, Ernstes in ihren Augen. Kein Trotz, kein Geltungsbedürfnis. Nur ein leiser Überdruss. Sie hätte so viel mehr verdient als das - als diese instabile, erschöpfende Familiensituation. Wenig später kam auch Miranda zu ihnen, mit einem Glas in der Hand, ihre Lippen fest zusammengepresst. "Danke, Martin. Dass du dich gekümmert hast ... wirklich." Martin nickte nur. "Ich denke, er ist bis morgen Mittag außer Gefecht." "Bei dem Pegel wundert's mich, wenn er überhaupt noch mal aufwacht", erwiderte Miranda trocken, beinahe spöttisch. Ihre Stimme war ruhig, aber in ihrem Blick lag Abscheu. Nicht Mitleid, keine Sorge - nur dieser kalte, resignierte Ausdruck zeigend, wenn man längst innerlich abgeschlossen hat. Martin schwieg. Er konnte sie verstehen. Und doch fragte er sich, ob irgendjemand in dieser Familie je wirklich miteinander geredet hatte - oder ob alle längst nur noch aneinander vorbeilebten. *** Das Fest neigte sich dem Ende zu. Die Stimmen wurden ...