1. Die Abenteuer der Maya Klein 05


    Datum: 22.06.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... ans Fenster und sah hinunter in den Garten. Bald würden wohl die Rosen anfangen zu blühen. Das wird schön aussehen. Sie hörte Stimmen von unten her. Freudige Begrüßung, Saschischatz, Fragen, wie es ihm ging, ob er wieder in Köln gewesen war und ob er seine Perle mitgebracht hat. Eine Frauenstimme fragte nach, wann man sie denn mal kennenlernen würde.
    
    Maya lächelte. Anscheinend wussten die Mitschüler von Sascha noch keine Details von ihr, was ihr auch lieber war. Und er schien keine Notwendigkeit darin zu sehen, mit ihren offensichtlichen Attributen hausieren zu gehen. Wieder ein Punkt für ihn. Wie sehr sie sich hier Sicherheit wünschte. Aber es gab sie nicht und sie wollte sich da an Jeanes Worte halten.
    
    Sie ging rüber ins Bad, duschte ausgiebig, hörte, wie sich Sascha mit seinen Bekannten unterhielt. Es wäre ihr ein Leichtes zu lauschen, sie hätte sich nur darauf konzentrieren müssen. So aber hörte sie nur ein Gemurmel und schaltete noch zusätzlich das Duschradio ein.
    
    Montag würde es wieder losgehen. Sie war sich sicher, dass man jetzt Rücksicht nehmen und sie nicht gleich in eine neue Eskalation schicken würde. Vielleicht wieder Streife durch die Innenstadt? Das hatte Spaß gemacht. Auch der Gedanke an die Schule half, so langweilig und zäh auch der Unterricht von ihr empfunden wurde. Lieber sechs Stunden dort, als noch einen Menschen töten zu müssen. Würde es wieder passieren? Man hielt es für wahrscheinlich!
    
    Sie ärgerte sich, dass ihre Gedanken wieder diese ...
    ... Richtung nahmen. Also drehte sie das Radio so laut wie möglich auf und sang die Lieder mit. Es half, sie war erleichtert.
    
    Sie trocknete sich ab, föhnte ihre Haare, flocht sich einen Dutt und putzte die Zähne. Schnell anziehen, schminken, dann würde sie sich auf den Weg in die Stadt machen. Vielleicht noch vorher unten etwas frühstücken? Sie wollte sich in die Küche setzen und hoffentlich die Lerngruppe nicht stören.
    
    Bluejeans, schwarze Bluse, ihre Boots, welche sie mittlerweile über alles liebte, standen unten, dazu noch die olive Bomberjacke. Die Pistole! Sie seufzte und kämpfte sofort gegen die Bilder an. So trat sie widerwillig an den Waffenschrank heran und gab die Kombination ein. Sie war bei jedem Schrank dieselbe. Holster, Waffe, die Handgriffe waren schon in Fleisch und Blut übergegangen.
    
    Nicht sie hatte getötet, nicht die Waffe, sondern es war der Mann selbst gewesen, indem er anderen Menschen nach dem Leben getrachtet hatte. Sie musste das verinnerlichen. Unbedingt!
    
    Würde sie mit ihrer Ma oder ihrem Vater darüber sprechen können? Nein! Ganz sicher nicht. Ihre Probleme und Sorgen würden sofort auf ihren Vater und ihre Mutter überspringen. Das konnte und durfte nicht ihr Ziel sein. Manfred! Sie wollte ihn unbedingt an diesem Wochenende noch sehen.
    
    Sie eilte die Treppe hinunter, bückte sich unter der Decke durch und blickte in vier ihr unbekannte, erschrocken dreinblickende Gesichter. Wilma kam sofort aus der Küche angelaufen, sprang an ihr hoch und wedelte ...
«1234...27»