1. Die Geschichte der Maya Klein 11


    Datum: 02.07.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    Das Konzert
    
    Hevi war aufgeregt. Mit Maya im Bad eingeschlossen bereiteten sich die beiden jungen Frauen auf das Konzert vor.
    
    „Halt doch mal still! Sonst brauchen wir noch länger, um dich aufzuhübschen. Krass, wie viel Feuchtigkeitscreme wir für dein Riesengesicht brauchen. Die Flasche ist gleich wieder leer."
    
    „Ich kaufe dir Neue, okay?", schlug Maya vor.
    
    „Brauchst nicht", kicherte Hevi. „Ich habe die von Gulistan genommen." Während sich Hevi an ihrer Schadenfreude weidete, bekam Maya sofort ein schlechtes Gewissen.
    
    „Dann kaufe ich eben ihr eine Neue."
    
    Hevi hatte kein besonders gutes Verhältnis zu ihren beiden Schwestern. Mit ihren Brüdern verstand sie sich wesentlich besser. „Lass mal! Die beiden hassen mich zurzeit, weil sie sich von mir unter Druck gesetzt fühlen. Ich heirate und bekomme ein Kind, noch bevor ich achtzehn bin, und die beiden haben nicht einmal einen Freund. Gerade Gulistan macht sich Sorgen."
    
    „Kein Wunder, sie geht nie raus."
    
    „Wie auch, wenn sie immer fetter wird? Sie schaut in den Spiegel, ist unzufrieden und versucht sich dann mit Schokolade aufzuheitern. Teufelskreis. Sie hat es mit Sport versucht, aber schon nach ein paar Tagen wieder aufgehört. Irgendeine Frau hat ihr einen Spruch gedrückt, weil sie ihr Kopftuch im Studio auflassen wollte."
    
    Maya schüttelte ihren Kopf. „Arschlöcher. Mich kotzt das so an. Warum lässt man sich nicht einfach gegenseitig in Ruhe?"
    
    Hevi sah da völlig klar. „Weil es Spaß macht, Menschen zu ...
    ... dissen und auszugrenzen. Macht man andere runter, macht man sich selber groß. Vielleicht steht da ein Naturgesetz dahinter? Musst mal deinen Doktor fragen." Sie drückte ziemlich rücksichtslos Mayas Gesicht zurecht. „Du musst schon stillhalten, Doofe!"
    
    „Und warum schminken? In der Halle sieht uns doch eh kaum jemand. Die sind wegen der Jones da und wir haben jetzt beide einen Freund." Sie schüttelte wieder ihren Kopf, was sofort einen erneuten Protest ihrer Freundin auslöste.
    
    „Erstens schaust du mit Kriegsbemalung endsgeil aus, zweitens macht es mir Spaß und drittens hat das mit der Kraft der Frau zu tun. Wir können uns zu einer kleinen Sonne machen, die alles um uns herum im hellen Glanz erstrahlen lässt."
    
    Maya seufzte und bewegte natürlich wieder ihren Kopf.
    
    „Ist das so eine Macke von dir? Halt dich doch bitte ruhig! Mach's wie in der Schule! Schließ die Augen, träum und lass die Lehrerin ihre Arbeit machen."
    
    „Hey! Ich bin jetzt besser als du geworden", lachte Maya.
    
    Hevi verteilte vorsichtig Foundation auf der Gesichtshaut ihrer Freundin und wechselte für den Gesichtsbereich um die Augen herum zu einem Concealer.
    
    „Du kannst so heiß aussehen, Türmchen", stellte Hevi fest. „Da wäre viel mehr für dich drin, wenn du dir die Zeit nehmen würdest."
    
    „Klar. Ich hocke wie du jeden Morgen ‚ne halbe Stunde vor dem Spiegel. Hab ja eh viel Zeit. Nee, lass mal! Auch wenn es ganz nice wäre, wenn die Leute mal einen anderen Grund zum Gaffen finden würden."
    
    Hevi ...
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