1. Die Geschichte der Maya Klein 11


    Datum: 02.07.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... konturierte jetzt Mayas Gesicht, hellte bestimmte Stellen auf und wechselte dann zu den markanten Brauen der Freundin. Dabei stellte sie sofort die Unterhaltung ein, wenn sie sich konzentrieren musste.
    
    „Warum heute ganz in Schwarz? Was soll ich jetzt anziehen?", fragte Hevi. „Du schaust toll aus, aber in der dunklen Halle sieht dich dann keiner."
    
    „Wie schön es wäre, dieses Problem zu haben", gab Maya zurück. „Aber echt jetzt, ich wollte einfach so wenig wie möglich auffallen."
    
    „Deine Jacke ist geil. Da hat Mutti ganze Arbeit geleistet. Da kommen deine Hupen richtig super rüber und betont deine mörder Wespentaille." Sie stutzte. „Ich wollte übrigens fragen, ob ich bei ihr eine Ausbildung machen darf, meinst du, sie hätte was dagegen?"
    
    Maya überlegte, griff nach einem Glas Wasser vor sich und wartete, bis Hevi von ihr abgelassen hatte, bevor sie einen Schluck daraus nahm. Sie stellte es zurück und blickte nachdenklich über das Spiegelbild hinweg zu ihrer Freundin. „Verwandte und Freunde einstellen mag sie eigentlich nicht. Sie ist streng und fordert viel. Sie hat Angst, dass das dann auf das private Verhältnis abfärbt."
    
    „Was? Bei mir auch? Sie kann streng sein, wie sie will. Ich bin doch froh, wenn ich was bei ihr lerne. Bitte Maya! Frag sie, okay? Wenn ich bei ihr gelernt habe, kann ich danach überall hin. Ihre Geschäfte sind mit die einzigen in der Innenstadt, die ständig voll sind. Als wir das letzte Mal bei ihr waren, stand eine Dame aus München neben uns. ...
    ... Sie ist extra wegen der neuen Kollektion angereist. Aus München! Ich meine, die haben doch alles an Mode, was es gibt."
    
    Maya verneinte. „Du kennst sie gut genug, um sie selbst anzusprechen. Versuchst du es über mich, bestätigst du ihre Sorge nur."
    
    Hevi überlegte. „Und wenn ich mich ganz normal bei ihr bewerbe? Ohne zuvor zu fragen? Dann sieht sie doch, dass ich es ernst meine."
    
    „Hört sich auf jeden Fall nach einem Plan an." Sie lächelte. „Warum hast du nie was gesagt in dieser Richtung?"
    
    „Na, weil es Nadja so geht wie dir. Die ganze Stadt kennt sie und wenn man sie anspricht, vermutet sie sofort eine Absicht dahinter. Manchmal könnte man meinen, du bist ihrem Schoß entsprungen. Da hast du wirklich viel von ihr."
    
    Maya dachte in diesem Moment an ihre Geburtsmutter. Es tat ihr weh, wenn Papa und Mama über sie sprachen. Sie waren voller Begeisterung und Liebe, während sie selbst diesen Menschen nie kennenlernen durfte.
    
    „Du fängst jetzt nicht das Heulen an! Sofortiger Themenwechsel!" Hevi hatte sofort geahnt, welche Richtung ihre Gedanken nahmen.
    
    Maya kniete vor dem großen Flurspiegel in der Wohnung ihrer Freundin. Die Stiefel standen neben ihr, sie freute sich darauf, sie zum ersten Mal zu tragen. Nadja hatte den Polen angeschrieben und weitere Schuhe bestellt. Nicht nur für sie, sondern auch für sich selbst. Ihre Mutter war begeistert von der Qualität der Materialien und der Handfertigkeit des Meisters. Natürlich hatte sie schon weitergedacht und wollte ein ...
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