1. Die Geschichte der Maya Klein 11


    Datum: 02.07.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... Produkt für ihre Geschäfte daraus kreieren. Sondergefertigte Schuhe nach Maß zum Preis eines guten Gebrauchtwagens. Es war so irre. Maya zweifelte nicht an dem Erfolg. Alles, was ihre Mutter anfasste, verwandelte sich in Geld. Und was machte sie damit? Sie steckte es in die Altersvorsorge für Falk und sich selbst, zahlte in einen Fonds ein, aus dem sie die Familien ihrer langjährigen Angestellten unterstützte, und kaufte eine Zulieferfirma nach der anderen auf, um die Bedingungen für deren Belegschaften zu verbessern.
    
    Nadja lebte Luxus im Laden, aber privat wohnte sie nach wie vor mit Falk in der Drei-Zimmer-Wohnung und zahlte Miete. Oft war sie interviewt worden, hatte schon etliche Auszeichnungen für ihr Engagement erhalten und war zu einer bundesweiten Größe in Sachen Business gewachsen. Maya war stolz auf ihre Mutter, aber auch auf ihren Vater, der sie in allem selbstlos unterstützte. Notfalls stellte er sich auch samstags in einen Laden, kassierte, packte ein und brachte dem wartenden Publikum Getränke. Schon oft hatte Nadja versucht, ihn zu überreden, bei ihr einzusteigen, doch wollte das Falk dann auch wieder nicht. Er fühlte sich in der Spedition wohl, hatte dort seine Kollegen und einen sehr guten Stand. Letztes Jahr war er in den Betriebsrat gewählt worden. Schon allein deshalb fühlte er sich für seine Leute verantwortlich.
    
    „Hey Türmchen! Nicht träumen!", hörte Maya eine kräftige Männerstimme neben sich. Sie wandte sich sofort um, stand auf und umarmte Baz ...
    ... und gab ihm Küsse auf seine bärtigen Wangen.
    
    „Cool, dass du uns fährst, danke!" Sie lächelte und küsste ihn noch einmal auf die Wange. Sie mochte Hevis ältesten Bruder sehr. Anschließend kniete sie sich wieder hin, um ihrem Aussehen eine letzte Kontrolle zu unterziehen.
    
    „Na ja, müssen den Schuhlöffel mit runternehmen, damit du reinpasst, aber verteilst dich einfach auf der Beifahrerseite. Ich habe alles so weit nach hinten geschoben, wie es geht." Er lächelte. „Du schaust fesch aus. Schwesterchen sowieso. Toll." Er blickte zwischen den beiden hin und her, längst daran gewöhnt, an bestimmte Konstellationen. Dass Maya vor dem Spiegel kniete, war dabei zu einem gewohnten Bild der letzten Jahre geworden.
    
    „Jeane Jones! Maria ist voll des Neides. Sie ist ein großer Fan. Sie hat darum gebeten, dass ihr alles an Fotos und Videos schickt, was ihr aufgenommen habt."
    
    Hevi und Maya gaben ihre Versprechen ab. Sie warfen einen letzten Blick auf die Spiegelwand, dann waren sie soweit. Maya stellte sich wieder auf die Beine, quetschte sich durch die Wohnungstür und eilte mit den beiden Freunden die Treppe hinunter.
    
    Baz hatte nicht zu viel versprochen. Der Wagen war von ihm so umgebaut worden, dass Maya einigermaßen Platz darin fand. Ihre Beine stark angewinkelt und die Rückenlehne in einer Liegeposition, befand sich ihr Kopf fast neben Hevis Oberkörper, welche hinten saß. In der kurdischen Familie störte sich niemand daran. Es war so wie bei einem anderen behinderten Menschen. ...
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