1. Die Geschichte der Maya Klein 11


    Datum: 02.07.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... Wir sind nach dem Konzert noch eingeladen worden."
    
    „Von dem Jungen, von dem du die Karten bekommen hast?", fragte der Vater, während er Maya die Jacke abnahm und sich von ihr küssen ließ.
    
    „Äh, nein. Von Jeane Jones. Sie möchte heute in Mamas Stadtladen kommen."
    
    Falk wurde bleich. „Sie will was?"
    
    „Na ja, sie hat meine Klamotten gesehen und fand sie toll."
    
    Dem Vater wurde schwindelig. Er ahnte das Schlimmste. „Gehen wir ins Wohnzimmer, Maya!"
    
    Kein Schatz, keine Süße, kein Türmchen. Maya ahnte sofort, dass es jetzt rund gehen würde.
    
    „Erzähl jetzt! Wie kann es sein, dass meine Tochter einen Weltstar in den Laden meiner Frau einlädt?"
    
    „Naja, sie hat auch mich und Hevi eingeladen. Wir sollen im Sommer zu ihr nach London kommen. Wir dürfen bei ihr wohnen..."
    
    „Du weißt schon, dass das die Runde machen wird. Das ist etwas, das alles infrage stellt, wofür wir jahrelang gekämpft haben."
    
    Maya seufzte, wollte sich aber jetzt der Wut des Vaters stellen.
    
    „Ich bin ganz normal ins Konzert. Hevi hat kaum was sehen können, da habe ich sie auf meine Schultern genommen. Tja und dann wurde Steve von den Wonder-Bros auf mich aufmerksam. Er muss Jeane etwas erzählt haben, denn kaum dass sie auf der Bühne stand, hat sie schon auf mich gezeigt und mich darum gebeten, zu ihr zu kommen. Wie hätte ich denn reagieren sollen? Nein sagen? Mein Bild war eh schon auf den ganzen Schautafeln zu sehen und das von Hevi auch."
    
    Falks Miene verhärtete sich. Kein gutes Zeichen. ...
    ... „Was ist dann passiert?"
    
    „Werd jetzt nicht sauer, Pap! Das war ein toller Abend. Die Frau ist super. Komm nachher mit in die Stadt, dann lernst du sie kennen."
    
    „Erzähl mir, was dann passiert ist!", forderte Falk jetzt energischer.
    
    „Wir haben zusammen getanzt und gesungen. Ich habe sie, wie Hevi zuvor, auf meine Schultern getragen."
    
    Sie nahm ihr Handy, suchte auf einer Videoplattform und fand viele Beiträge, die den Auftritt aufgenommen hatten. Der oberste Clip hatte schon eine halbe Million Aufrufe. „Hier!"
    
    Schweigend nahm Falk das Handy seiner Tochter entgegen. Er sah sich das Video bis zu der Stelle an, an der Maya und Hevi die Bühne wieder verließen. Es war unglaublich, was sie da abgezogen hatte.
    
    „Du hast den Kerl auf deine Schultern gehoben! Willst du nicht gleich ein Reklameschild um den Hals tragen? Was habe ich dir die Jahre über beigebracht?"
    
    Maya sah ihren Vater trotzig an. „Mich zu verstecken und klein zu machen. Aber ich sag dir jetzt was! Das macht mich unglücklich und krank. Ich weiß selbst, dass ich nicht mit meinen Fähigkeiten hausieren muss, aber so ein kleines bisschen möchte ich auch ich selbst sein dürfen."
    
    „Das kannst du doch bei der Polizei! Es braucht doch keinen Bühnenauftritt vor tausenden Menschen. Der Typ wog über hundert Kilo und du stemmst ihn wie einen Pokal über deinen Kopf und drehst dich dabei in alle Richtungen. Jetzt wissen alle, dass du nicht normal bist. Du wirst jetzt keine Ruhe mehr haben und wir auch nicht."
    
    „Ich ...
«12...101112...23»