1. Geschieden und Heiß


    Datum: 09.07.2026, Kategorien: Reif

    Wer wie ich in einem Mehrfamilienhaus wohnt, weiß, dass es fast unmöglich ist, nichts von dem Leben der Nachbarn mitzubekommen. Wenn man auch noch wie ich im Homeoffice arbeitet -- ich bin Social Media Manager -- dann ist das umso unvermeidlicher.
    
    Daher überraschte es mich nicht, als ich den Streit im Korridor mitbekam. Frau Schneider schrie wie am Spieß: „Hau endlich ab, du Arschloch. Ich will dich nicht mehr sehen. Ich lass mich jetzt endgültig scheiden. Los, verschwinde, du Betrüger!"
    
    Das war im Prinzip nichts Neues. Das Ehepaar stritt eigentlich ununterbrochen. Fast täglich hörte ich ihr Geschrei durch die Wohnungstür, wenn ich vom Einkaufen heimkam oder später von einem abendlichen Bier.
    
    Ich hatte sowieso nie verstanden, welches Schicksal die beiden zusammengeführt hatte. Sie war eine adrette Endvierzigerin, Bankangestellte, eigentlich immer noch ganz hübsch, wenn auch ein bisschen rundlich geworden und mit einem verbitterten Zug um die schmalen Lippen. Ihr Haar hatte sie meist hochgesteckt, was sie zusätzlich noch etwas strenger wirken ließ und wenn sie zur Arbeit ging, trug sie einfarbige Kostüme oder Hosenanzüge, die wenig hermachten und in denen sie älter aussah, als sie war.
    
    Ging sie mal, was selten vorkam, in einer Jean und mit offenen Haaren aus, sah sie attraktiv aus. Ihr Busen war beachtlich, der Hintern straff, die Hüften ein bisschen breit, aber insgesamt wirkte sie dann sehr fraulich und war nett anzusehen. Er war anscheinend arbeitslos, lungerte ...
    ... ständig in irgendwelchen Kneipen herum und war oft angetrunken, wenn er heimkam. Dass er Weibergeschichten am Laufen hatte, wusste ich von Frau Braun, die über mir wohnte und eine richtige Tratschtante war. Traf ich sie am Flur, brachte sie das Gespräch fast immer auf die Schneiders und wusste Neuigkeiten zu berichten. Erst vor ein paar Tagen hatte sie mir erzählt, dass sie ihn mit der Kellnerin meiner Stammkneipe gesehen hatte. Die hieß Ulla und war ein heißes Eisen. Im Viertel sprach man hinter vorgehaltener Hand davon, dass sie es wohl auch gegen Bezahlung machte und die Braun war sich sicher, dass ein Teil des hart verdienten Geldes von Frau Schneider genau dort, bei Ulla, landete. Ich kannte die Gerüchte natürlich auch und sah sie dann und wann mal mit einem Mann weggehen nach der Arbeit. Ob das allerdings Geheimprostitution war oder nur die Befriedigung beiderseitigen Verlangens, das wusste ich nicht und wollte ich eigentlich auch gar nicht wissen.
    
    Jedenfalls war Freund Schneider ein Kotzbrocken, der vom Geld seiner Frau lebte und sie auch noch betrog.
    
    Also verstand ich es gut, dass sie ihn zum Teufel jagte. Anscheinend hatte das auch Erfolg, denn nach dieser Auseinandersetzung -- und das war jetzt schon ein paar Wochen her -- hatte ich ihn nicht mehr gesehen.
    
    Sie traf ich manchmal am Flur, meistens, wenn sie von der Arbeit kam und ich das Haus verließ. Wir grüßten uns freundlich, tauschten mal ein paar Worte übers Wetter aus, aber das war´s. Frau Braun, mein ...
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