-
Ein Herz und zwei Seelen -- Josefine Selma
Datum: 30.07.2026, Kategorien: Romantisch
... Hoffnungsschimmer war in mir, aber er verschwand wieder. Und dann grübelte ich wieder über mein Schicksal. Da waren die Tabletten und da war Johann. Mir wurde klar, dass ich niemals ein glückliches Leben führen kann mit Johann und dass ich Johann mit runterziehen würde. Er würde genauso unglücklich werden wie ich. Das musste ich verhindern. Wenn ich nicht mehr da bin, so sagte ich mir, dann findet er eine andere Frau, mit der er glücklich werden kann. Und meine Qualen und mein Elend würden ein Ende haben. Keine ständig neuen Männer mehr und keine Schmerzen, wenn ich die Spritze nicht bekäme. So stand mein Entschluss fest. Ich nahm mir vor, dass Johann der allerletzte Mann sein wird, mit dem ich zusammen sein würde. Vorgestern war es soweit. Wir hatten die letzten zwei Stunden Beisammensein und es war wunderschön. Zum Schluss verabschiedete ich mich von ihm. Sagte ihm, dass ich woanders hin muss und dass wir uns nicht mehr wiedersehen können. Sagte ihm, dass er eine andere Frau finden würde, die ihm das gibt, was ich ihm nicht geben kann und dass er ihr von mir erzählen soll. Dann ging ich zu meiner Unterkunft, ich heulte ununterbrochen, war am Boden zerstört. Als ich da war, ging alles ganz mechanisch, wie wenn ich ein Roboter wäre. Ich zog ein Nachthemd an, füllte ein Glas mit Wasser, drückte die Tabletten aus der Verpackung und löste sie im Wasser auf. Ich rührte mit dem Löffel viel länger, als eigentlich notwendig gewesen wäre. Aber schließlich hörte ich auf damit. ...
... Ich sprach ein letztes Gebet. Ich bat Gott darum, mir ein Zeichen zu geben, wenn er nicht wollte, dass ich meinem Leben ein Ende setze. Und ich bat ihn um einen Ausweg. Dann wartete ich, drehte das Glas immer wieder um sich selbst. Und gerade als ich das Glas anheben wollte, da hörte ich eine Stimme, eine sehr laute weibliche Stimme. Sie rief: "Mach das nicht!" Ich erschrak und sah mich um, aber es war niemand zu sehen. "Ich bin hier, ich heiße Selma!" sagte die Stimme, "Ich bin in dir, Josefine, meine Seele ist in deinem Leib." Es war vollkommen verrückt und ich zweifelte an meinem Verstand. Aber hatte ich nicht Gott um ein Zeichen gebeten? Selma musste das Zeichen sein. Sie brachte mich dazu, das Glas mit den Tabletten wegzuschieben. Und dann redete sie mit mir. Sie forderte mich auf, zu kämpfen. Sie machte mir klar, dass ich Johann liebe. Nannte mich ein Dummchen, weil ich es nicht gemerkt habe. Sie erzählte mir, dass sie schon bei mir war, als ich mit Johann zusammen war und dass sie fühlt, was ich fühle, sieht, was ich sehe. Und dass sie auch liebt, wenn ich liebe und deswegen liebt sie Johann auch. Dann brachte sie mir bei, mit ihr zu sprechen, ohne dass ich es laut sage. Wir sprechen miteinander, indem wir unsere Gedanken an uns richten. Aber wir können auch denken, ohne dass es die andere hört. Und es kam noch besser. Sie fragte mich, ob ich ihr erlauben würde, die Kontrolle über meinen Körper zu übernehmen. Ich erlaubte es ihr. Nach einer Weile ...