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Ein Herz und zwei Seelen -- Josefine Selma
Datum: 30.07.2026, Kategorien: Romantisch
... auslöst. Mama und Sina sind uns ganz nah und halten uns fest. Es dauert eine Weile, bis ich weiter erzählen kann. "Marta war also 7 Jahre alt und wuchs fortan ohne Vater auf. Wir Frauen im Dorf hielten zusammen, wir organisierten die Arbeit auf den Feldern, lernten mit den Booten auf der Elba zu fahren und zu fischen. Wir reparierten die Häuser, wenn mal wieder ein Sturm wütete. Wenn jemand krank war, konnte ich meist helfen, oft auch mit Hilfe der anderen Frauen. Wir waren eine starke Gemeinschaft. Und dann kam der schrecklichste Tag in meinem ganzen Leben. Es war Gilbhart 1642, offensichtlich passieren schreckliche Dinge immer im Gilbhart. Marta, inzwischen 18 Jahre alt und eine junge Frau, und ich, waren aus dem Dorf gegangen, um Pilze und Kräuter zu sammeln und um nach den Fallen zu sehen, mit denen wir Hasen und Kaninchen fingen. Plötzlich hörten wir Schüsse aus Richtung Dorf. Wir liefen so schnell wir konnten zum Waldrand und dann sahen wir den Rauch aufsteigen. Das Dorf brannte. Marta wollte weiterlaufen und löschen helfen, aber ich hielt sie zurück, denn sie wäre direkt in den Tod gerannt. Wir versteckten uns im Wald und erst am übernächsten Tag, als nichts mehr zu hören war, gingen wir in Richtung Dorf. Es war ein Anblick des Grauens. Alle waren tot und zum Teil verbrannt, zwölf Frauen und vierzehn Kinder, ich werde das nie vergessen können." Ich muss wieder weinen. Obwohl 382 Jahre vergangen sind, ist es in meiner Erinnerung erst ein paar Tage ...
... her. "Marta und ich fanden Werkzeugreste, mit denen wir 26 Gräber aushoben. Wir arbeiteten bis zur totalen Erschöpfung und bestatteten die Toten. Für jeden dieser lieben Menschen sprachen wir ein letztes Gebet. Danach überlegten wir verzweifelt, was wir tun konnten. Sie hatten alle Vorräte mitgenommen, das Vieh war weg, sogar die Boote waren nicht mehr da. Wir hatten nichts zu essen und kein Dach überm Kopf, der Winter würde bald da sein. Wir würden entweder verhungern oder erfrieren oder beides. Wir wussten beide, welchen Ausweg es gab, und Marta sprach es zuerst aus. Es stand im Buch der Heilung, das Marta auch auswendig kannte. Meine Großmutter, also Martas Urgroßmutter, hatte es durchgemacht. Sie kannte ein Ritual, das sie in dem Buch aufgeschrieben hatte. Großmutter hatte zwei Seelen in ihrem Leib. Die eine Seele war schon immer in ihr und eines Tages kam ihre zweite Seele dazu. Marta und ich wussten, dass dieses Ritual der einzige Ausweg war, wenn wir überleben wollten, wir wussten aber nicht, ob es uns gelingen würde oder ob wir einfach nur sterben oder ob rein gar nichts passiert. Wir bereiteten uns vor. Mein Kräutergarten war nicht verwüstet, dort fanden wir die Kräuter, die wir brauchten. Es fehlte noch ein bestimmter Pilz, den gab es im Wald. In den Trümmern des Dorfes gab es noch eine Flasche, die nicht zersprungen war. Etwas angekohltes Papier gab es auch noch. Wir schrieben beide eine Nachricht, die wir in die Flasche steckten. Danach versiegelten wir die ...