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Onkel Roberts Tagebuch 2
Datum: 22.08.2026, Kategorien: Voyeurismus / Exhibitionismus
... wurden. Elise ging die Farbe aus dem Gesicht. „Madame Lefèvre“, flüsterte sie. „Sie kommt manchmal Eier holen.“ Bevor ich etwas sagen konnte, stand die Frau schon in der Küche. „Bonjour, Elise!“ Und dann blieb ihr Blick an mir hängen. Ich tat, was Elise mir eingeschärft hatte: Kopf gesenkt, Lippen geschlossen, starrer Blick. Stumm. Verlangsamt. Ein Mann, der nicht ganz bei sich ist – erschütternd leicht zu spielen. Elise erzählte ihre Geschichte vom „Neffen aus Paris“, dem Sohn ihrer Kusine. Eine einfache Lüge, aber glaubhaft. Dann sprach sie auch davon, dass seine Mutter Angst habe, die Deutschen könnten ihn wegen seiner Behinderung verschleppen. Die Nachbarin wurde leiser, weicher, aber gleichzeitig wachsamer. Sie musterte mich eingehend. Ich rührte mich keinen Millimeter. „Ein kräftiger Mann hilft im Stall“, fügte Elise hinzu. Damit war das Bild rund. Die Frau nahm ihre Eier und ging. Als die Tür endlich zufiel, atmete ich aus, als hätte mich jemand vom Grund eines Sees gezogen. „Die erste Prüfung“, sagte Elise, „haben wir bestanden.“ Der restliche Vormittag verlief ruhig. Ich schälte Kartoffeln, froh, endlich unten in diesem warmen Raum sitzen zu dürfen. Elise kochte Suppe und Gemüse. Luc kam aus der Schule, sah mich zuerst zögernd an. Beim Essen erklärte Elise ihm behutsam, dass ich bleiben müsse – und dass er niemandem erzählen dürfe, wer ich wirklich bin. Luc sagte nichts. Sein Blick war schwer, viel zu alt für sein junges Gesicht. ...
... Vielleicht die Verschleppung seines Stiefvaters. Vielleicht der Vorfall, als er mich blutend fand. Vielleicht beides. Aber er wird schweigen. Da bin ich sicher. Am Nachmittag ging ich wieder nach oben. Alles ruhig. Und als die Nacht hereinbrach, kam Elise leise in die Kammer. Barfuß. Sie schlüpfte zu mir unter die Decke, legte sich eng an mich. Mehr geschah nicht. Es war nur Nähe, Wärme, Trost. Und das reichte. 30. Mai 1944 Die nächsten Tage brachten Routine. Ich erholte mich schnell. Erst stilles Helfen: Schweine, Hühner, Kühe. Dann schwerere Arbeiten. Ausmisten. Wasser aus dem Brunnen. Körbe voller Kartoffeln tragen. Ich spürte mit jedem Schritt, dass ich wieder Mensch wurde. Eines Morgens sagte Elise: „Es wird Zeit für die Heuernte. Sonst regnet es uns kaputt.“ Ich nickte nur. Und wir arbeiteten Seite an Seite. Die Sonne, der Geruch des Grases, das Klirren der Sense – es ließ mich den Krieg fast vergessen. Die deutschen Soldaten im Dorf wurden weniger. Wenn doch einmal ein Trupp vorbeikam, zog ich mich zurück in den Schatten der Scheune oder hinauf auf den Heuboden. Niemand stellte Fragen. 7. Juni 1944 Anfang Juni kam der Nachbar aufgeregt auf den Hof gelaufen. Er sprach mit Elise im Flüsterton; seine Gesten waren hektisch, ihre Hand bedeckte ihren Mund. Später erzählte sie es mir. Eine Invasion. Irgendwo an der Küste der Normandie. Briten, Amerikaner. Noch unklar wann, noch unklar wo genau. Wenn es stimmt, dann wird der Westen sich öffnen. ...