1. Endlich wieder Frau


    Datum: 23.08.2026, Kategorien: Reif

    ... wieder?"
    
    Sie sah ihn an. Länger, als es höflich war. Und nickte dann. "Morgen."
    
    Sie waren noch beim Sie. Obwohl das Du schon fast in der Luft lag. Wie ein Schleier, der noch nicht gelüftet war. Noch nicht. Aber bald. Bald würden sie keine Schranke mehr brauchen.
    
    Er drehte sich um, ließ sie zurück mit dem Hund und dem Gartentor. Und doch spürte er, wie ihre Augen ihm folgten. Wie sie sich fragte, warum er gegangen war. Und wie sie zugleich dankbar war, dass er es tat. Weil sie sonst nicht mehr gewusst hätte, wie sie den Schritt zurück hätte machen sollen. Und dennoch - sie hatte ihn ja gar nicht eingeladen. Nicht mit Worten, nicht gesprochenes über ihre Lippen von sich gegeben und dennoch war es ein Signal gewesen, so direkt und klar und eindeutig, dass sie sich selbst fragen musste. Hatte sie laut gedacht oder doch das gesprochen, was er leider oder doch vielleicht zum Glück abgelehnt hatte?
    
    Er dachte an ihre Brust. An den Schatten unter ihrem Kragen. An ihre Lippen, die das Wort "vielleicht" fast liebevoll ausgesprochen hatten. Er dachte an ihre Oberschenkel, an ihre Unterwäsche, an ihren Bauch. Er dachte an ihren Duft, ihre Art, mit dem Hund zu sprechen, an ihre Schultern, die wohl nicht mehr oft gehalten wurden. Oder ihre Brüste. Vor allem ihre Brüste, um diese schaukeln und schlingern zu sehen, wenn sie unter ihm lag. Er schluckte und lächelte.
    
    Er wusste: Er würde zurückkommen. Und sie würde auf ihn warten. Auch wenn sie es selbst noch nicht ...
    ... wusste.
    
    Und Richard stellte sich vor, wie sie heute Abend allein ins Badezimmer trat. Wie sie sich auszog. Langsam. Mit einem Blick in den Spiegel, der Fragen stellte, die sie nicht beantworten konnte. Ob sie an ihn dachte? Ob sie spürte, dass er an sie dachte? Dass er an ihren Körper dachte, an ihr Lachen, an ihr Zittern?
    
    Er stellte sich vor, wie sie da stand. Vielleicht nackt. Vielleicht im Hemd. Und wie sie sich selbst ansah. Nicht wie früher. Sondern neu. Und wie sie vielleicht zum ersten Mal seit langem wieder Lust hatte. Nicht allgemein. Sondern: auf ihn.
    
    Morgen, dachte er. Morgen würde er sie wiedersehen. Und dann würden sie einen weiteren Schritt setzen. Dessen war er sich gewiss.
    
    Nicht mehr weit. Nicht mehr lang.
    
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    Der Morgen begann nicht mit einem Lied, nicht mit einem Lächeln - sondern mit Unruhe. Einem Kribbeln unter der Haut, das sich nicht zuordnen ließ. Als Anna erwachte, war ihr erster Gedanke nicht an die Zeitung, nicht an den Kaffee, nicht an den Hund, sondern an ihn. An den jungen Mann. Richard. Sie erinnerte sich an seinen Blick, an seine Stimme, an den Moment am Gartentor - und ihr Herz schlug schneller, als sei sie sechzehn und auf dem Weg zum ersten Rendezvous.
    
    So etwas hatte sie nicht erwartet. Nicht mehr. Nicht in diesem Alter. Und doch stand sie auf, so als wäre der Tag ein Versprechen. Ihre Füße trugen sie wie von selbst ins Bad, wo der Spiegel ihr ein Gesicht zeigte, das ihr nicht unbekannt war - und doch heute ...
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