1. Endlich wieder Frau


    Datum: 23.08.2026, Kategorien: Reif

    ... anders wirkte. War da nicht ein Glanz in den Augen? Eine Farbe mehr auf den Wangen? Sie beugte sich näher, betrachtete ihre Haut, die Falten an den Schläfen, den Zug um den Mund. Und doch: da war auch Wärme. Eine neue Art von Erwartung.
    
    Was sollte sie anziehen? Die Frage kam plötzlich, wie ein Licht, das flackert und dann hell wird. Es war keine Belanglosigkeit, sondern etwas von Bedeutung. Sie probierte Blusen, hob Röcke an, stellte sich in Kleidern vor, die sie lange nicht mehr getragen hatte. Einmal zog sie sich wieder aus, nur um sich nackt zu betrachten. Was würde er sehen, wenn er sie ansah? Würde er sich vor ihr ekeln? Würde er das Begehren wirklich spüren, das sie selbst zu leugnen versuchte? Eine Flamme, die sie in ihm lodern gefühlt hatte ... oder doch nicht. War das ihre Verrücktheit gewesen, ihre eigene Projektion von etwas, das längst vergessen und im Dunkel der Gefühllosigkeit versunken war.
    
    Sie schämte sich. Und gleichzeitig nicht. Ihre Brustwarzen waren hart. Das bemerkte sie mit Erstaunen - nicht durch Kälte, sondern durch Vorstellung. Sie stellte sich vor, wie seine Hand sie streifte, wie seine Lippen den Bogen ihres Halses berührten, wie seine Finger ... ach, sie brach den Gedanken ab und fuhr sich verlegen durchs Haar.
    
    War es verrückt? Ja. War es verboten? Vielleicht. War es echt? Das war die größte Frage.
    
    Sie stand eine Weile da, barfuß, nur in Unterwäsche. Dann öffnete sie die Schublade mit ihren Parfums. Viele davon standen dort seit Jahren. ...
    ... Einige waren fast leer, andere unberührt. Sie wählte das alte, schwere Flakon mit der goldenen Schrift. Nur ein Hauch, nicht mehr. Es sollte nicht nach Einladung riechen. Sondern nach Erinnerung.
    
    Dann der Rock. Nicht zu kurz, aber weich fallend. Die Bluse, hell und luftig, ein Hauch von Transparenz, der angebracht schien. Und ein BH, der die Brust hob, ohne zu prahlen. Sie sah sich an, drehte sich seitlich, betrachtete den Rücken, den Hals, das Profil. Und sie fragte sich: Ist das noch meine Haut, meine Figur? Ist das noch mein Körper? Wie war das mit den Falten und der Farbe der Haare, nicht total künstlich gefärbt, aber nachgedunkelt, ein dunkles natürliches Blond mit weißen oder silbernen Strähnen darin?
    
    Doch etwas ließ sie nicht los. Ein Gedanke, der zärtlich in sie kroch. Die Vorstellung, dass er sie nackt sehen würde. Ganz. Vielleicht sogar dort, wo noch nie jemand sie wirklich betrachtet hatte. Sie dachte an die feine Linie unterhalb des Rückens, an die zarte Stelle zwischen den Pobacken. Dort, wo sie nie etwas Besonderes empfunden hatte - aber nun, da sein Blick sie dort vielleicht streifen würde... Wie konnte sie nur? Aber er hatte sie doch gemustert, als er sich nicht beobachtet gefühlt hatte. Diese Blick! Solche Blicke! Überall - Atem beraubend!
    
    Sie holte den kleinen Spiegel aus der Schublade. Und einen Rasierer. Ihre Hand zitterte ein wenig, aber sie tat es. Sie rasierte sich. Vorsichtig. Nicht aus Pflicht, nicht aus Gewohnheit. Sondern aus Erwartung. Es ...
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