1. Endlich wieder Frau


    Datum: 23.08.2026, Kategorien: Reif

    ... kam wahrlich einer heiligen Handlung gleich. Und danach trug sie eine dünne Schicht Creme auf. Der Duft stieg ihr in die Nase - süß, fast unschuldig, und doch verheißungsvoll. Das hatte sie fast noch nie getan - oder zumindest nicht mehr in diesem Jahrtausend. Unendlichkeiten entfernt!
    
    In der Küche zitterte ihre Hand leicht, als sie den Wasserkocher einschaltete. Sie hatte keinen Hunger. Nicht im Geringsten. Das Brot blieb unangetastet, der Apfel lag wie eine Frage auf dem Teller. Sie nippte nur am Tee. Im Bauch war etwas - nicht Schmerz, nicht Übelkeit, sondern ein Flattern. Wie Schmetterlinge, würde man sagen. Flugzeuge im Bauch? Lächerlich. Doch nicht in meinem Alter. Nein, sicherlich nicht, lächerlich! Wie Verliebtheit, wenn man den Mut hätte, es auszusprechen.
    
    Aber das hatte sie nicht. Sie tadelte sich selbst. Was sollte das alles? Ein junger Mann! So jung, dass er ihr Enkel sein könnte. Und sie - sie spielte sich auf wie ein Mädchen. Es war lächerlich. Es war peinlich. Und doch: es war echt. Und sie konnte es nicht stoppen: vielleicht war sogar das schlimmste daran, zu wissen, dass es peinlich werden musste und dennoch es nicht ändern können.
    
    Der Hund saß neben ihr und blickte sie an. So ruhig, so wach. Als ob er es spürte. Als ob er wüsste, dass etwas nicht stimmte. Oder dass etwas neu war. Er bewegte sich nicht, winselte nicht - er sah sie nur an. Mit diesem Blick, der alles sagen konnte und doch nichts verriet.
    
    Anna stand auf, ging ins Schlafzimmer, nur ...
    ... um wieder zurückzukehren. Sie war unruhig. Sie konnte nicht stillsitzen. Ihre Finger glitten über den Tisch, über die Lehne des Stuhls, über ihren eigenen Nacken. Ihr Körper war elektrisiert. Nicht von außen - sondern von innen.
    
    Und dann stellte sie sich vor, was wäre, wenn er sie heute wieder ansähe. Wenn er lächeln würde. Wenn er näherkäme. Wenn seine Hand sie vielleicht nur am Ellenbogen berührte. Oder - mehr.
    
    Sie schüttelte den Kopf. Laut. Wie um die Gedanken zu vertreiben. Doch sie blieben. Sie krochen unter die Haut, flüsterten ins Ohr, kitzelten zwischen den Beinen. Es war wie ein Rausch. Ein Tagtraum. Ein Verbot. Eine Wahrheit. Ein Wahnsinn, der sie mit gespaltener Zunge zu betören versuchte.
    
    Aber sie wusste: Wenn er käme, wenn er sie wieder ansähe, wenn seine Stimme das Wort "morgen" noch einmal sagte - dann würde sie nicht mehr fliehen können.
    
    Sie streichelte den Hund. Und murmelte: "Verrückt, nicht wahr?"
    
    Der Hund bellte nicht. Aber in seinem Blick lag etwas, das sie beinahe erschreckte: Verständnis. Oder Urteil.
    
    Und dann, kaum merklich, griff sie nach dem Stoff ihres Rocks. Glättete ihn. Prüfend. Als ob der Saum ein Zeichen sei. Als ob er ihr sagte: Du bist noch schön. Du darfst das. Es ist dein Körper. Dein Wunsch. Und - du kannst die Beinen noch zeigen. Natürlich kein Mini, aber doch diese Handbreite über dem Knie. Dafür war sie niemals zu alt. Noch nicht!
    
    Doch der Appetit kam nicht zurück. Der Tee schmeckte schal. Und als sie auf die Uhr ...
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