1. Endlich wieder Frau


    Datum: 23.08.2026, Kategorien: Reif

    ... sah, erschrak sie. Noch so viel Zeit bis zum Nachmittag. Bis zum Rosarium und der üblichen Gassirunde. Bis zum Vielleicht. Bis zu ihm.
    
    In ihr flatterte etwas, das kein Hunger war. Sondern Erwartung. Gier. Angst. Und ein Hauch von Glück. Nein Erwartungshaltung und Hoffnung, von der sie nur nicht enttäuscht werden wollte, wobei ihr zur gleichen Zeit bewusst war, dass dies alles sinnlose Gedanken waren. Hirngespinste und Einbildungen, versinnloste Hoffnungen.
    
    Sogar der Hund wirkte wachsam. Misstrauisch vielleicht. Oder verwundert. Ob er es spürte? Dass seine Anna heute nicht die alte war?
    
    Sie errötete. Und lächelte dann. Schüttelte den Kopf über sich selbst. Und wusste doch: Das war erst der Anfang.
    
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    Der Nachmittag schien wie aus Gold gegossen. Die Sonne fiel in langen, warmen Strahlen auf die Wege des Rosariums, wo das Gespräch leicht floss - wie ein Bach, der nicht wusste, wohin er führt, aber sich gerne schlängelte. Anna und Richard gingen nebeneinander, als sei es das Natürlichste der Welt. Der Malteser schien sich beruhigt zu haben, lief brav voran, während Richards großer Setter mit wohlerzogener Geduld neben seinem Herrn trottete.
    
    Sie plauderten. Über Bücher, über Gärten, über Reisen. Aber nie ganz direkt, nie mit zu vielen Fragen. Immer mit einem Lächeln, das mehr andeutete als sagte. Ein Streifen der Arme hier, ein zufälliges Berühren der Finger dort - alles war beiläufig und doch bedeutsam.
    
    "Vielleicht sehen wir uns ...
    ... wieder?" fragte er.
    
    Anna blieb stehen. Für einen Moment. Ihr Herz pochte hörbar in den Ohren. Sie wollte "Ja" sagen. Aber nicht einfach so. Nicht wie eine Einladung zu Kaffee und Kuchen. Sondern mit allem, was mitschwang. Mit diesem Gefühl in ihrem Körper, dieser Ahnung, dass ihre Welt sich gerade zu drehen begonnen hatte.
    
    Sie lächelte - aber in ihrem Innern tobte ein Sturm. Sollte sie ihn wirklich einladen? Es war zu früh. Und doch war es vielleicht zu spät, wenn sie es nicht täte. Ihr Körper drängte nach Nähe, nach Wärme, nach Berührung. Aber ihr Verstand stemmte sich dagegen. Was wollte sie denn? Nur ein Spiel? Eine zweite Jugend? Oder war es mehr - diese verfluchte Sehnsucht, die sie lange begraben geglaubt hatte?
    
    Mit Richard war es nicht wie früher. Es war nicht das langsame, prüfende Nähertreten, wie sie es mit ihrem Mann einst kannte. Das war vor ... viel zu lange her ... Jahrzehnte, ein anderes Jahrtausend, Steinzeit quasi. Heute? Da war alles anders. Spontan. Wild fast. Und doch fein. Da war kein Anspruch. Kein Ziel. Nur dieses unbedingte Jetzt. Und das machte ihr Angst. Etwas zu verlieren, was sich als Gelegenheit nicht mehr böte? War es das? Torschlusspanik!
    
    Er hatte keine Forderung ausgesprochen. Nur gefragt. Und sie wusste: Wenn sie jetzt zögerte, zu lange schwieg, dann würde er sich zurückziehen. Und das könnte sie nicht ertragen.
    
    "Kommen Sie noch mit zu mir?" fragte sie - fast zu leise, fast flüsternd. Und sofort war da die Scham. Der Blick zu ...
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