1. Ein erzwungenes Leben als Frau 1


    Datum: 29.08.2026, Kategorien: Transgender,

    Ich hätte ja damals von Heinrichs Lebenswandel kaum etwas erfahren, wenn es nach dem Willen meiner besorgten Eltern gegangen wäre, aber die beiden gottesfürchtigen Leutchen machten eines Tages doch den Fehler, über den Besagten zu sprechen, ohne zu bedenken, dass ich im Nebenzimmer in Hörweite war.
    
    So erfuhr ich denn doch einiges über den Cousin meines Vaters, namens Heinrich, den man durchaus als schwarzes Schaf der Familie bezeichnen konnte.
    
    Meine Eltern regten sich darüber auf, dass Heinrich seinen ererbten landwirtschaftlichen Betrieb, der außerhalb unseres Dorfes in der Nähe des Waldes angesiedelt war, wie ich später herausfand, nicht ordentlich führte, wodurch dieser immer mehr herunterkam.
    
    Ständig sei Heinrich mit irgendwelchen religionswissenschaftlichen Studien und dem spirituellen Suchen beschäftigt. Er hätte schon einige Studiengänge im Bereich der Geisteswissenschaften begonnen, aber nach dem Wissen meiner Eltern sämtliche abgebrochen, ohne Abschluss. Ein Träumer eben. Eine Heirat habe bei ihm nie in Aussicht gestanden, ja, es sei in seiner Nähe sogar niemals eine Frau gesichtet worden, die als Heiratskandidatin hätte gelten können. Man müsse (und dabei flüsterte Vater fast, als er diese Vermutung aussprach), davon ausgehen, Heinrich sei vom anderen Ufer. Mir sagte dies nichts, aber ich nahm mir vor es herauszufinden.
    
    Ich selbst war damals noch blutjung, wie man zu sagen pflegt und ich hatte auch nicht mal eine Freundin, wenn man von Beate absieht, ...
    ... mit der ich schon im Sandkasten gespielt hatte. Die Tochter unserer nächsten Nachbarn. Ich hatte schon ein Auge auf Beate geworfen, als ich in das Alter kam, in dem einen das andere Geschlecht, wegen seines Andersseins zu interessieren beginnt. Es war die Zeit, in der Beate langsam anfing mehr und mehr kurviger zu werden. Da schaute ich sie doch gerne an, allerdings etwas neidisch, weil ich nicht ihre Kurven besaß, d.h. ein kleines bisschen schon, jedenfalls hoffte ich das. Mein Empfinden Mädchen und Frauen gegenüber war so lange ich denken kann, immer mehr von dem Wunsch nach Nachahmung geprägt, als von dem Wunsch sie zu besitzen. Und doch wollte ich Beate nicht verlieren.
    
    Aber genau dies geschah, zu meiner großen Bestürzung. Ich weiß es noch wie heute und es brennt auch heute noch in mir ein Gefühl der Sehnsucht und Enttäuschung, wenn ich daran zurückdenke. Beate und ich machten nämlich bei einem 1. Mai Ausflug unseres örtlichen Sportvereins mit. Es war der Tag, an dem ich mir vorgenommen hatte, Beate meine Liebe zu gestehen. Ich hatte mir schon vorgestellt, wie wir nach meinem Geständnis Händchen haltend vom Ausflug zurückkehren würden. Weiteres wollte ich mir noch nicht vorstellen.
    
    Als unsre Gruppe am Rhein auf einer Wiese ihr Lager aufschlug und die Würstchen auf den Grills bereits dampften, wollte ich Beate eins mitbringen, ganz der Gentlemen. Doch als ich zurückkam, saß Emil neben ihr, unser Bester im Ringen. Ein kraftstrotzender breit gebauter Bursche.
    
    Obwohl ...
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