1. Ein erzwungenes Leben als Frau 1


    Datum: 29.08.2026, Kategorien: Transgender,

    ... lauter Unwillen wegen des ungebetenen Gastes über den Haufen rannte, gelang es mir noch zu rufen: „Ich bin es, Martin, der Sohn von Heinz und Herta, Onkel Heinrich."
    
    Das stoppte ihn abrupt und darauf schaute er mich eine Weile schweigend von oben bis unten prüfend an, dann hellte sich seine bisher finstere Miene etwas auf und er bat mich ihm ins Haus zu folgen.
    
    Das Haus war ein alter Fachwerkbau mit kleinen Fenstern und niedrigen Decken.
    
    Meine Eltern hatten zu der Zeit längst ihr altes Haus durch ein neues, größeres ersetzt.
    
    Im Haus forderte mich Heinrich auf, ihm in sein Arbeitszimmer zu folgen. Ein nicht gerade hell erleuchteter Raum, mit vielen vollgestellten Bücherregalen an den Wänden.
    
    Heinrich setzte sich hinter einen schweren Eichenschreibtisch und gebot mir davor auf einem einfachen niedrigen Stuhl Platz zu nehmen. So thronte er weit über mir und schaute schräg auf mich herunter.
    
    Er sei gerade in den Vorbereitungen für das jährliche große Gruppentreffen, das diesmal auf seinem Hof stattfinden solle. Die Ehre sei kaum zu bemessen.
    
    Eigentlich hätte er gar keine Zeit jetzt Besuch zu empfangen. Das angebotene Glas Wein lehnte ich ab, worauf er Wasser bereitstellte. Scheinbar war er doch ein umsichtiger Mann.
    
    Er vermutete, er habe mich zum letzten Mal in der Wiege gesehen, aber meine Physiognomie sei eindeutig die der Familie, wenn auch meine mehr die mütterlicherseits sei und seine ganz sicher die väterlicherseits. Ich widersprach nicht. Was ...
    ... mich herführe, wollte er wissen. Ich konnte nur ehrlicherweise sagen, ich sei wohl zufällig hier gelandet, worauf er mit ernstem Blick antwortete, es gäbe in unserer Existenz keine Zufälle, alles sei vorbestimmt und wir müssten unser Zusammentreffen als von oben geleitet und bewusst herbeigeführt betrachten. Ich hielt es für besser, ihm nicht zu widersprechen, denn trotz aller durchschimmernden Freundlichkeit, nahm ich aufgrund seiner gesamten Erscheinung an, er könne auch ungemütlich werden. Niemand wusste ja, dass ich hier war.
    
    Ohne dass ich ihn gefragt hätte begann er jetzt über seinen gesamten Bildungswerdegang zu dozieren. Scheinbar wollte er mich beeindrucken. Es gelang ihm, denn ich fand es wirklich erstaunlich, was er auf diesem Gebiet alles unternommen hatte.
    
    Zunächst habe er begonnen mit den akademischen Studien der Philosophie, Psychologie und sogar der Theologie und es habe ihn einige Jahre des mühsamen Ringens gekostet, bis sich in ihm die Erkenntnis durchsetzte, dass er auf diesen Gebieten seine Zeit nur unnötig vertue.
    
    Es sei ein Kramen in Worten gewesen, weiter nichts, eine endlose Wortklauberei, unfruchtbar und zum echte Erkenntnisgewinn in keinster Weise geeignet.
    
    Zum Glück habe er dann irgendwann ein Plakat des Meisters gelesen, das auf einen Vortrag über Schamanismus der indigenen Ureinwohner Nordamerikas hinwies. Natürlich sei auch dies kein Zufall gewesen, auch dies war Vorsehung.
    
    Dieser Vortrag des Meisters sei für Heinrich das reinste ...
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