1. Ein erzwungenes Leben als Frau 1


    Datum: 29.08.2026, Kategorien: Transgender,

    ... Erweckungserlebnis gewesen.
    
    Sofort sei ihm klargeworden, dass er fürderhin sein gesamtes Denken und Trachten auf den Schamanismus zu legen bereit und willens war. Allein die Person des Meisters habe ihn derart tief beeindruckt, dass er bereit gewesen war sein komplettes Leben in dessen Dienst zu stellen und alles zu tun, um dessen Sache voranzutreiben.
    
    Er las und verinnerlichte alle Schriften des Meisters über Schamanismus und wurde dessen Schüler. Lange Jahre der Schulung und harten Ausbildung folgten, die er letztlich mit Erfolg abschloss, sodass er sich auch Meister nennen durfte, wenn auch in der Rangordnung noch weit unter dem Meister selbst, dessen erhabene Höhe freilich kein anderer Sterblicher zurzeit in der Lage sei zu erreichen. Nun gehöre er als leitendes Mitglied der Bruderschaft zur aufgehenden Sonne an, autorisiert vom Meister selbst Novizen zu Schamanen auszubilden.
    
    Und nun käme ich ins Spiel, er sei nämlich momentan auf der Suche nach neuen Novizen, was von vorneherein ein heikles Unterfangen sei, weil ja kaum geeignete Anwärter zu finden seien.
    
    Ich käme ihm geeignet vor, das sage ihm seine Intuition und nun läge es an mir, mich bereitzuerklären.
    
    Ich hatte erst kürzlich einen Bericht im Fernsehen gesehen über die Machenschaften obskurer Sekten und das hier roch verdächtig danach, deshalb stand ich auf, um mich schleunigst zu verabschieden.
    
    Heinrichs Miene verfinsterte sich bedenklich. In dem Moment, als ich mich zur Tür umwenden wollte, ...
    ... kam ein großer Kolkrabe durch ein offenes Fenster hereingeflogen und landete krächzend auf Heinrichs Schreibtisch und schaute mich wie dieser durchdringend an.
    
    „Setzt dich hin", donnerte Heinrich mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete.
    
    Hätte ich damals gewusst, was ich erst viel später erfuhr, dass Heinrich den Raben verletzt, mit gebrochenem Flügel gefunden hatte und ihn gesundgepflegt hatte, worauf dieser bei ihm blieb aus Treue und Dankbarkeit, dann hätte ich ja nicht die ganze Szene für magisch gehalten, wie ich es nun natürlich tat. Also setzte ich mich, weil ich einen Mann mit solch einem Raben für nichts anderes, als einen großen Magier einstufte, der unter Umständen zu vielem fähig sein musste. Nackte Angst und gehöriger Respekt vor einem großen Mann, zwang mich zu bleiben.
    
    „Ich brauche dich, gerade dich, zum Novizen, ein geeigneterer ist mir bisher nicht untergekommen." erklärte Heinrich nun mit besänftigender Stimme.
    
    Ich wagte nicht zu fragen, warum gerade ich, brauchte es auch nicht, denn Heinrich erläuterte mir sogleich die Gründe dafür.
    
    Er brauche mich, weil ich feminin sei und fast wirke wie ein Mädchen, weil er einen Transgender-Schamanen heranbilden müsse. Ich widersprach nicht, mir schwirrte der Kopf.
    
    Er ahne natürlich, dass ich mit der einschlägigen ethnologischen Literatur über indigenen Schamanismus nicht vertraut sei, besonders sicher nicht mit dem Werk der deutschen Soziologin und Ethnologin Gisela Bleibtreu Ehrenberg, die ...
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