1. Die Geschichte der Maya Klein Ende


    Datum: 11.09.2026, Kategorien: Romane und Novellen,

    ... telefoniert hatten. Sascha hatte Mayas Zeit fast komplett in Beschlag genommen, was die Bekannte nur allzu gern verstanden hatte.
    
    Jenny war sofort Mittelpunkt des Interesses, sowohl bei den Frauen als auch den Männern. Zwar war sie deutlich kleiner als Maya und besaß auch nicht deren extreme Proportionen, doch bot sie ein Bild, mit dem sich die Menschen leichter identifizieren konnten.
    
    „Wollen wir kurz quatschen?", fragte sie schließlich Maya und nahm sie mit in den Flur, wo es ein wenig ruhiger geworden war.
    
    Maya aber reagierte verstört, starrte auf eine verschlossene Zimmertür und hob ihre Nase in die Luft. Es durfte nicht wahr sein!
    
    „Was ist passiert?", fragte Jenny und sah sich um.
    
    Maya schloss ihre Augen, atmete tief durch, dann war sie wieder bei ihrer Freundin. „Nein! Alles gut. Hoffe ich zumindest."
    
    „Wie geht es dir?", wollte Jenny wissen.
    
    Maya starrte immer wieder auf die gegenüberliegende Tür, schüttelte ihren Kopf, dann sah sie die Freundin an. „Es ist einfach viel. Alle Menschen meinen es gut mit mir, erleichtert bin ich dann aber, wenn mich mal jemand nicht wahrnimmt oder einfach normal oder sogar scheiße zu mir ist. In der Schule war alles kacke, jetzt sind alle super nett, ich werde bevorzugt und jeder klebt irgendwelche Erwartungen an mich."
    
    Jenny lächelte. „Du, das pendelt sich ein. Frauen wie wir müssen ankommen und darauf warten, dass sie zum gewohnten Bild gehören. Das dauert bei uns ein wenig länger als bei anderen. Hab Geduld! ...
    ... Du musst dir deinen Platz erarbeiten und irgendwann hat man sich an dich gewöhnt."
    
    Maya sah nachdenklich in Jennys markantes Gesicht. Hatte sie recht? Sie wünschte es sich so sehr.
    
    „Denk an deinen Freund und seine Familie. An deine Freunde, selbst die Menschen hier in Dortmund. Die meisten haben dich doch schon irgendwo mal gesehen, über dich gestaunt und beim zweiten Mal wurde es dann schon weniger."
    
    Maya hoffte es. „Lasst uns die nächste Zeit etwas zusammen machen, ja? Vielleicht das nächste Wochenende? Ich bin die Woche in Köln. Aber noch werde ich die Samstage und Sonntage frei haben. Das könnte sich dann aber im Laufe der Ausbildung ändern." Sie sah in diesem Moment hinter der Freundin die Tür aufgehen. Can trat heraus, grüßte die ihm Unbekannte, stellte sich vor, äußerte seine Verwunderung, dass die Frau genauso groß war wie er selbst und ging weiter ins Wohnzimmer.
    
    „Wow! Krasser Typ", meinte Jenny staunend und blickte dem massigen Mann nach.
    
    „Ein sehr guter Freund."
    
    Sie unterhielten sich weiter, dann öffnete sich die Tür aufs Neue. Jeane sah zerknirscht zu Maya auf, wollte sich vorbeischleichen, sich dabei ihre sichtlich durcheinandergeratene Frisur ordnend, hörte dann aber die Stimme der Freundin.
    
    „Jeane! This is Jenny, a good friend. She's here with her boyfriend Jacque."
    
    Jeane schien es ziemlich eilig zu haben, der Situation zu entkommen. Warum, das konnte Maya riechen. Sollte sie mit Can sprechen? Dass er das gebracht hatte und dann noch auf ...