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Venus und Adonis
Datum: 17.09.2026, Kategorien: Verführung
... über seine Brust ausgebreitet hatte. Und dann dieses Küsschen - federleicht, aber mit einer Wucht, die ihn bis ins Mark erschütterte. Er musste sich zusammenreißen. Die Galerie wartete. Als er ankam, war kaum jemand da. Ein paar vereinzelte Besucher schlenderten durch die hallenden Räume, betrachteten die antiken Skulpturen und Gemälde, die sich alle einer vergangenen, doch in ihren Formen ewig lebendigen Schönheit widmeten. Die Luft war erfüllt vom leichten Geruch alten Papiers, von Stein und Ölfarbe. Antonius liebte diesen Ort, und doch fühlte er sich heute entrückt, als gehöre er nicht hierher. Langsam trug ihn sein Weg vor eines der größten und eindrucksvollsten Gemälde der Galerie. Eine Szene, die er unzählige Male betrachtet hatte, die er kannte - und die ihn heute dennoch stärker als sonst in ihren Bann zog. Venus und Adonis. Das Bild zeigte die Göttin der Liebe mit fließenden, goldenen Wellen, ihr Körper von ambrosischer Anmut, ihre Augen voller Sehnsucht auf den jungen Adonis gerichtet. Er saß auf einem Felsen, halb abgewandt, seine Züge waren von jugendlicher Schönheit geprägt. Sie wollte ihn halten, wollte ihn warnen, doch er - sterblich und unwissend um sein Schicksal - zog sich fort, seinem eigenen Verhängnis entgegen. Antonius hielt inne. Seine Augen folgten den Pinselstrichen, dem sanften Verlauf der Farben, der Art, wie der Maler Venus" Haut lebendig machte. Die Locken... ihr Lächeln... Vera. Sein Blick verschwamm. Die Linien des ...
... Gemäldes bewegten sich, veränderten sich. Er sah sich selbst, nicht mehr in der Galerie, sondern in der Antike, an einem anderen Ort. In einem Wald, zwischen rauschenden Blättern und Sonnenflecken, lief er über weiches Moos. Und da war sie. Sie trug ein Gewand, das im Wind flatterte, ihr Haar fiel in wilden Strähnen um ihr Gesicht. Sie sah ihn an, nicht als unnahbare Göttin, sondern als Frau, die ihn auserwählt hatte. Er spürte ihre Finger an seinem Arm, spürte, wie sie ihn zu sich zog. Ihr Blick war fordernd, brennend, voller Verlangen - doch bevor er sich ihr hingeben konnte, löste sich das Trugbild auf. Ein Kunde betrat den Ausstellungsraum und riss ihn aus seinem Tagtraum. Die Wände der Galerie umgaben ihn wieder. Das Gemälde vor ihm war unverändert. Venus" Blick war auf Adonis gerichtet, voller Liebe, voller Schmerz. Er wusste, dass er sich in einem gefährlichen Spiel befand. So wie Adonis sich nicht von der Jagd abbringen ließ, konnte er sich nicht von dieser brennenden Fantasie lösen. *** Der Morgen war golden und sanft, als Antonius den letzten Schluck seines Kaffees nahm und sich erhob. Doch bevor er den Tisch verlassen konnte, betrat Vera die Küche. In ihren Händen hielt sie, wie am Vortag, Kamm und Bürste. "Bleib einen Moment", sagte sie mit leiser Stimme, "alle sollen sehen, welch Adonis Du doch bist." Hatte sie Adonis gesagt? Ein Schauer durchfuhr seinen Körper, als sie auf ihn zutrat, mit diesem sanften Lächeln, das ihn an das Gemälde in ...