1. Wir haben uns verloren und unsere Liebe


    Datum: 11.10.2026, Kategorien: Sonstige,

    ... Ersparte geteilt. Nur das Haus war noch offen. Aber es interessierte mich nicht mehr.
    
    In meinem Auto lagen die Umzugskartons und als Ulla das Haus verlassen hatte, begann ich mit dem Umzug und war am Sonnabend spät Abends fertig und saß in meiner neuen Wohnung. Ich war ruhig und sagte mir, dass ich den richtigen Schritt getan hatte. Und doch war ich traurig, dachte an meine Frau und an die schönen Jahre mit ihr.
    
    Die Kinder reagierten unterschiedlich auf die Trennung. Stefan und seine Frau waren ruhig, fragten kaum nach und verurteilten niemand. Ines tobte und hatte mit ihrer Mutter eine sehr emotionale Auseinandersetzung. Mir wurde zwar nie etwas dazu erzählt, aber ich weiß, dass Ines sehr lange gar keinen Kontakt mit ihrer Mutter hatte.
    
    Mir selber ging es immer besser. Ich war viel mehr zum Sport, fuhr viel Fahrrad und las wieder die von mir geliebten Abenteuerromane und hatte auch schon einen neuen Autor entdeckt und las seine Bücher gerne. Mit Ulla hatte ich fast keine Kontakte. Ich bemühte mich sehr, sie nicht in meine Welt eindringen zu lassen.
    
    Das kurze Abenteuer mit meiner Mitarbeiterin hatte keine negativen Auswirkungen im Job und auch sonst hatten wir geklärt, dass es einmalig war und sich nicht wiederholen würde.
    
    Mit meiner Frau tauschte ich zum Geburtstag und zu den Feiertagen kurze Mitteilungen aus und die einzige Reaktion auf die von mir vorgenommene Trennung war eine WhatsApp-Nachricht vom dem Sonntag nach meinem Auszug.
    
    "Es tut mir furchtbar ...
    ... leid. Verzeih mir."
    
    Weihnachten teilte mir bei einem langen Telefonat mein Sohn mit, dass sie im Sommer ein Kind erwarten und sich riesig freuen. Am heilig Abend war Ines bei mir und fuhr am 1. Weihnachtstag nach München zu ihrem Bruder. Ich weiß, dass sie vorher bei ihrer Mutter reinschaute.
    
    Bei einem kurzen Besuch meiner Stammkneipe, in der ich damals den älteren Herrn kennengelernt hatte und der eigentlich der Auslöser der notwendigen und befreienden Trennung war, sah ich sie, eine Frau, die mir nicht nur gefiel, optisch gefiel sondern deren gesamte Haltung, deren nach meiner Meinung trauriger Blick mein Herz anrührte. Als sie ging, ließ ich mein noch halb volles Bier stehen und zum ersten Mal sprach ich eine mir unbekannte Frau an und hatte Glück und sie ließ sich auf ein Gespräch ein. Wir wanderten durch die zu diesem Zeitpunkt fast völlig leeren Straßen und verabredeten uns für den kommenden Tag zu einem Kaffee.
    
    Wir waren beide pünktlich und treffen uns seitdem oft. Waldtraut ist Witwe, seit über einem Jahr Witwe, hat leider keine Kinder, da ihr Mann keine wollte oder weil er keine zeugen konnte. Erst beim zehnten oder elften Treffen hat sie mir erzählt, dass er sich das Leben genommen hat, weil er feststellte, dass er sich zu einem Mann hingezogen fühlte und der ihn verhöhnte, öffentlich bloß stellte. Um diesem auch nach seinem Tod weiter bestehenden Gerede zu entkommen, ist sie in unsere Stadt gezogen und ist dabei, hier wieder Fuß zu fassen.
    
    Waltraut ist ...