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Lukretia - Akt 1
Datum: 14.10.2026, Kategorien: CMNF
... eher wie ein Spiel klang als wie ein Staatsgeschäft. " Das Reich benötigt seine Imperatorin also für die nächsten sechsunddreißig Stunden nicht? " Sie dachte an die Staatsangelegenheiten, an die vielen offenen Entscheidungen, die noch warteten. Ihre eigenen Bedürfnisse schoben sich wie immer in den Hintergrund. " Falls wider Erwarten Eure Anwesenheit unerlässlich wird, werden wir Euren 'Urlaub' sofort unterbrechen. " " Urlaub!? " Lukretia ließ das Wort auf ihrer Zunge zergehen. Es fühlte sich fremd an, fast schon verboten. Die Vorstellung, der Realität für eine Weile zu entfliehen, hatte ihren Reiz. Doch als sie sich fragte, was sie in einem solchen Fall tun würde, verblüffte es sie, dass ihr nichts in den Sinn kam. Wieder sah sie ihren Intendanten prüfend an. Ihre Gedanken kreisten um seine Loyalität, aber auch um seine Motive. Hagen hatte sie noch nie in die Irre geführt, doch dies war das erste Mal, dass er ihr vorschlug, sich derart aus dem politischen Leben zurückzuziehen – und das ohne jede Erklärung. " Ich nehme an, Ihr habt nicht vor, mich vorher mit endlosen Erklärungen zu langweilen? " fragte sie mit einem Hauch von Ironie, die ihren inneren Widerstand überdecken sollte. Hagen schüttelte den Kopf. " Nein! Und das Wort 'Langeweile' wird Euch sicher nicht in den Sinn kommen. Im Gegenteil – nachdem das geplante Prozedere vorbei ist, werdet Ihr Euren Aufgaben um ein Vielfaches ausgeglichener nachkommen. " Ein Teil ...
... von ihr wollte widersprechen. Doch die müde Anspannung, die sie in den letzten Wochen gefühlt hatte, überwog. Nachdenklich blickte sie aus dem breiten Fenster in die Ferne. Ein nervöses Fingertippen verriet Hagen, dass sie ihre Bedenken bereits über Bord geworfen hatte. In diesem Moment war sie damit beschäftigt, die passenden Worte zu finden, um ihrem Gewissen das 'Loslassen' schmackhaft zu machen. " Was erwarten sie von mir? " " Eure Hoheit müssen lediglich dieses Dekret im Beisein des Lordkanzlers und Eures Gardeoffiziers unterzeichnen. Sechsunddreißig Stunden später wird es verbrannt. Die Betreffenden warten bereits vor der Tür. Darf ich sie hereinbitten? " Lukretia zögerte, und Hagen hielt die Luft an. Dies war ein riskanter Schritt – doch ein notwendiger. Er konnte nur hoffen, dass sie auf ihre innere Stimme hören würde. " Und wenn mir eure Vorstellung eines ...Urlaubs vielleicht nicht gefällt? " Lukretia schien nun das Spiel mitzuspielen, aber ein Funken Zweifel blieb. " So wird es mich völlig Zurecht meinen Kopf kosten. Ob buchstäblich oder sprichwörtlich, das werdet Ihr später entscheiden. Bis dahin allerdings ... " Er ließ eine dramatische Pause entstehen, die von ihrem neugierigen Blick begleitet wurde. " ... entscheide ich allein. " Wieder blickte sie aus dem Fenster. Ein Auf und Ab der Gefühle durchflutete sie – ein Gemisch aus Aufregung, Misstrauen und Neugier. Am Ende siegte jedoch die Neugier, gestützt von dem ...