-
Lukretia - Akt 1
Datum: 14.10.2026, Kategorien: CMNF
... Vertrauen, das sie in ihren Intendanten hatte. Noch bevor sie ihre Zustimmung aussprechen konnte, hörte sie Hagen bereits nach dem Lordkanzler und den Gardisten rufen. Amüsiert von seiner Unverfrorenheit, nahm sie Haltung an, um die Herren zu empfangen. Unruhig blickte sie aus dem Fenster der Kutsche, als diese das Ortstor des Hofes passierte. " Was liegt im Osten? " versuchte sie, sich die geografischen Gegebenheiten der Umgebung ins Gedächtnis zu rufen. " Nur die Grafschaft derer von Salzbergen, oder? " Obwohl diese zu den Loyalisten zählten, waren sie von eher geringer Bedeutung. In sechsunddreißig Stunden würden sie jedenfalls nicht bis in die Ländereien der Kreuzbachs gelangen. Die Kutsche kam allmählich zum Stehen. Ein kurzer Blick hinaus offenbarte eine kleine Burg, abgeschieden und umgeben von dichten Wäldern. Kein Ort, an dem man eine Kaiserin vermuten würde. Ein merkwürdiges Gefühl aus Neugier und Unruhe kroch in ihr hoch. Was immer Hagen geplant hatte, es schien ein sorgfältig inszenierter Rückzug zu sein. Aber wozu? " Eure Hoheit, wir sind angekommen. " Hagen erhob sich und öffnete die Tür der Kutsche. Die frische Luft strömte herein, und Lukretia spürte, wie ihr Herzschlag sich beschleunigte. " Dürfte ich Euch bitten, auszusteigen? " Seine Worte klangen freundlich, doch es lag eine gewisse Unnachgiebigkeit darin. Lukretia zögerte kurz, erhob sich dann jedoch, gefolgt von den fragenden Blicken ihrer Zofen. Hagen stand ...
... regungslos da, seine Augen ruhig und aufmerksam. Als sie den Boden unter ihren Füßen spürte, erschien ihr der Ort noch fremder. Keine Soldaten in prächtigen Rüstungen, keine Fanfaren – nur das Rauschen der Bäume und das entfernte Wiehern der Pferde. Die Stille war fast beunruhigend. Hagen zog ein versiegeltes Dokument hervor. " Es gibt noch eine Formalität, die geklärt werden muss. " Mit bedächtiger Geste entrollte er das Pergament und begann vorzulesen. Seine Stimme war ruhig, aber fest, als er das Dekret verkündete, das Kanzler Freibach in Kraft gesetzt hatte. Für die nächsten sechsunddreißig Stunden war Lukretia de facto nicht Kaiserin. " Eure Hoheit, ich bitte Euch, dieses Dekret zu bestätigen. " Lukretia hob die Augenbrauen. Für einen Moment schien es, als wolle sie widersprechen. Doch stattdessen ließ sie ihre Finger über das Siegel des Dokuments gleiten und nickte schließlich. Es war ein seltsamer Moment der Machtlosigkeit, aber zugleich einer der Befreiung. Als sie das Dekret unterzeichnete, spürte sie eine leise Aufregung in sich aufsteigen – eine Mischung aus Neugier und Ungewissheit. " Danke, Hoheit ," sagte Hagen mit einem kaum merklichen Lächeln. Dann wandte er sich an die Zofen. " Nun bitte ich euch, der Kaiserin ihren Schmuck abzunehmen. " Die Zofen zögerten sichtlich. Der Schmuck war ein Symbol ihres Standes, und niemals zuvor hatte jemand gewagt, ihn ihr zu entziehen. Doch unter Hagens strengem Blick und einem stummen Nicken der ...