1. Hochverrat oder was im Krieg nicht sein durfte


    Datum: 04.11.2026, Kategorien: Romantisch

    ... dass Michail erstaunt war. So hatte noch nie jemand mit ihm gesprochen. Keiner seiner Soldaten hätte auch nur im entferntesten daran gedacht, ihm so entgegen zu treten.
    
    Nicht nur Helmuts Bestimmtheit, auch seine Worte brachten ihn zum Nachdenken. Er hatte damals um seine Irina genau so kämpfen müssen. Ein fast mittelloser Student wollte die Tochter eines hochrangigen Politikers heiraten. Als ihre Differenzen endlich beiseite gelegt waren, hatte sein Schwiegervater im einige Wege geöffnet und als Anyssa zur Welt kam, hätte er Alles von ihm bekommen. Er war so stolz auf seine kleine Enkelin.
    
    Nun schien es an Michail zu sein, loszulassen und den Kindern den Weg zu ebnen.
    
    Jetzt erst bot er Helmut den Stuhl vor ihm an. Sie unterhielten sich noch etwa zehn Minuten, bevor sie zusammen wieder aus dem Haus kamen.
    
    Michail nickte Anyssa zu und hatte er auch erwartet, dass sie jetzt Helmut freudestrahlend um den Hals fallen würde, so nahm sie ihn in die Arme. Es war ihre Art sich bei ihrem Vater zu bedanken.
    
    Katja war die Gefühlsduselei und die Warterei zu lange geworden. Wenige Meter hin war ein kleines Mädchen das Hopse spielte. Katja war mit ihren sechs Jahren, zwar fast doppelt so alt wie sie aber das tat dem keinen Abbruch. Die Zwei mochten sich auf Anhieb.
    
    Ein Offizier kam auf die beiden zu und herrschte die Kleine im Befehlston an.
    
    "Hast du dich wieder dreckig gemacht. Mama sucht dich schon überall und wer ist das fremde Mädchen. Du sollst doch ...
    ... nicht...."
    
    Katja in ihrer draufgängerischen Art war vor ihn hingetreten und reichte ihm die Hand. "Mein Name ist Katja."
    
    "Das ist mir egal." wehrte er sie etwas barsch ab.
    
    "Ist alles in Ordnung Genosse Leutnant?" hörte man aus dem Hintergrund eine strenge Stimme.
    
    Doch noch ehe er etwas sagen konnte, fiel Katja ihm ins Wort. "Wir haben doch nur zusammen gespielt Onkel Michail" und versuchte sich zu rechtfertigen.
    
    "Onkel Michail" wiederholte er verdutzt, die Worte der Kleinen.
    
    "Entschuldigung Genosse Oberst. Ein Missverständnis!" tönte er kommandomässig und nahm Haltung an.
    
    "Komm Katja wir wollen zur Feier. Lenka wird dann auch dort hin kommen. Da seht ihr euch wieder."
    
    Winkend verabschiedete sich Katja bei der Kleinen und nahm die von Michail dargebotene Hand.
    
    Michail war in den letzten Jahren die Karriereleiter steil nach oben gestiegen. Helmut hingegen pochte das Herz. Hätte er vorher gewusst, was Anyssas Vater für ein hohes Tier ist, hätte er vielleicht nicht den Mut gehabt, ihm so gegenüber zu treten.
    
    Katja wurde von Anastasia noch etwas sauber gemacht und schon setzte sich der Tross in Richtung des großen Gebäudes in Gang.
    
    Die Eingangshalle wirkte beeindruckend. Die Treppen, die im Bogen in die obere Etage führten, waren schon imposant. Oben stach das riesige Wandgemälde ins Auge. Es schien relativ neu zu sein, denn es zeigte den Siegeszug der hier stationierten Truppen, während des Krieges. Was früher mal der Theatersaal gewesen war, wurde unterdessen ...
«12...535455...67»