1. Quarantäne in Kapstadt


    Datum: 17.04.2020, Kategorien: 1 auf 1,

    ... Flug.
    
    Wie sich herausstellt, besuchen die beiden Damen und ihre Verwandten schon seit Jahrzehnten dieses Land. Beatrices Verwandte haben sogar ein Haus mit Meeresblick, das uns auch als Unterkunft dienen wird.
    
    Am Flughafen von Kapstadt gibt es allerdings Probleme mit unseren Tests, denn sie sind mittlerweile abgelaufen. Unser ursprünglicher Flug war überbucht, wir waren gezwungen mehrere Stunden auf eine alternative Möglichkeit zu warten, bei der wir auch noch umsteigen mussten. So haben unsere Testnachweise ihre Gültigkeit verloren. Marie kann gut verhandeln (wohl auch mit dem Einsatz von einigen Banknoten). Wir müssen zwar in eine 10-tägige Quarantäne, aber nicht in einem schäbigen Hotel, sondern im besagten Haus am Meer.
    
    Bevor wir das tun, haben wir kurz die Möglichkeit, Beatrice im Krankenhaus zu besuchen. Allerdings bleibt uns dafür nur wenig Zeit und wegen der Corona-Einschränkungen müsste sie zu uns in eine Besucherabteilung kommen. Aus irgendeinem Grund bekommt sie unsere Ankunft nicht mit, sodass wir sie nur aus der Ferne beobachten können, wie sie gerade durch den Oberarzt visitiert wird. Es ist ihr nichts anzumerken. Sie hat zwar eine Maske an, aber ihre Gesten, ihre Körperhaltung und ihre Bewegungen signalisieren nichts Außergewöhnliches. Sie hat ein langes, weißes Patientenhemd an, ihr schulterlanges, blondes Haar scheint frisch gewaschen zu sein, sogar das Schimmern ihrer stahlblauen Augen ist zu erkennen. Sie verschwindet mit dem Arzt in einem ...
    ... Sprechzimmer und wir warten nicht weiter auf sie. Morgen wird sie ja wahrscheinlich entlassen und wir müssen schnell unsere Quarantäne antreten.
    
    Die Fahrt mit dem Taxi dauert keine halbe Stunde. Zuerst wundere ich mich, warum wir uns auf Felsenerhebungen zubewegen, wir wollen ja nicht in die Berge. Doch dann passieren wir eine Anhöhe und haben plötzlich wir das Meer vor uns, mit mehreren kleinen Buchten, umgeben von den besagten Felsen und mittendrin viele terrassenartige Einreihungen von Häusern, wobei jedes mit einem prächtigen Ausblick punkten kann. Wir fahren im Zickzack durch kleine Straßen, bis wir vor einer Villa halten, die vor ungefähr 40 Jahren als modern galt. Jetzt nicht mehr, doch gerade diese Tatsache gibt ihr eine besondere, irgendwie beruhigende Ausstrahlung.
    
    Wir werden von der Haushälterin freundlich, aber mit gebührendem Abstand empfangen. Alles ist blitzblank geputzt, frisch bezogen, der Kühlschrank aufgefüllt, wenn wir noch etwas brauchen, würde sie es uns bringen. Dann verabschiedet sie sich.
    
    Marie führt mich durch das Haus. Vor dem großen Panoramafenster bleiben wir sehr lange stehen. Die Aussicht ist wunderschön, fast schon magisch. Wir beziehen jeweils ein Gästezimmer, essen etwas und verbringen den Rest des Tages mit Nichtstuerei.
    
    Nach einer unruhigen Nacht warten Marie und ich aufgeregt am Fenster und halten nach einem Taxi Ausschau. Es muss jeden Moment eintreffen. Wir sind beide nervös. Was sagt man einer Person nach einem erfolglosen ...
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