1. Der Orgasmus - nüchtern betrachtet


    Datum: 26.05.2020, Kategorien: Schlampen

    Das weibliche Gehirn ist beim Orgasmus so gut wie leer, während es beim Mann einen Zenit seiner Aktivität erreicht. Unumwunden sorgt die Natur jedoch für ausgleichende Gerechtigkeit. Weicht beim Mann das Feuer der Neuronen nicht nur einer Ermüdung, sondern auch Erschlaffung, so erwacht die Frau freudvoll aus ihrer Ohnmacht, angeregt und womöglich aufgeschlossen für weitere Wellen der Glückseligkeit.
    
    Ein Exponat auf der alle fünf Jahre stattfindenden Kunstausstellung war eine vielbeachtete Liste, festgemacht an einer Säule, welche eine Skulptur aus poliertem Marmor trug. Sie zeigte eine Frau mit geschlossenen Augen nach hinten gelehnt und leicht geöffneten Lippen, bereit den göttlichen Odem der Glückseligkeit einzusaugen. Ekstase ist aus ihrem Gesicht zu lesen, vereint scheint sie im Geiste mit dem Engel, der an ihrer Seite steht.
    
    Die Auflistung umfasste Dutzende von Gründen für das Erreichen des sexuellen Höhepunkts: Er beruhigt und hilft beim Einschlafen, vertreibt die Langeweile, dient der Meditation, stärkt die Konzentration, nützt der Kontaktaufnahme, ist magisch, spirituell, finanziell einträglich, verjüngt, ist ein wunderbares Geschenk für Geburtstage und Jahresfeier, ist ein leckerer, kalorienarmer Nachtisch, zeugt neues Leben, wärmt im Winter, lindert Schmerz, ist ein aerobicähnlicher Sport, enthemmt Schreibblockaden (!!!), inspiriert Künstler, überhaupt alle menschliche Kreativität, stärkt das Herz-Kreislauf-System, schafft Raum für Intimität, drückt Liebe aus ...
    ... und so weiter und so fort.
    
    Die Frage dabei ist: Sind die Orgasmen anders, werden sie auf verschiedene Weise erlebt, wenn sie unter diesen sehr unterschiedlichen Aspekten betrachtet werden? Inwieweit sind die weiblichen und männlichen Höhepunkte verschieden?
    
    Ein spiritueller Orgasmus wird der heiligen Teresa von Avila nachgesagt, die ihr Erlebnis in einem mystischen Gebet beschreibt: "Der Schmerz war so scharf, dass ich mehrmals ein Stöhnen ausstieß. Doch zugleich empfand ich eine so unendliche Süße, dass ich dem Schmerz ewige Dauer wünschte."
    
    Die Plastik auf dem Kopf der Säule war eine Nachbildung der "Verzückung der heiligen Teresa", ein Werk eines barocken Bildhauers. In einer explodierenden Leidenschaft auf Wolken schwebend und der Erde entrückt, gibt sie sich einem als Jüngling dargestellten Engel hin, der mit dem goldenen Pfeil Amors auf sie zielt.
    
    Anneli und Natalie, zwei aufgeschlossene und sehr lebendige Mädels, hatten sich verabredet, gemeinsam die Ausstellung zu besuchen, und schritten Seite an Seite die Steinstufen des mächtigen Museumsbaus empor.
    
    Es war charmant anzusehen, wie die beiden mit grazilem Schwung die Treppe nahmen. Anneli war schlank und sportlich. Gerne betonte sie ihre langen Beine wie heute mit engen Jeans und Riemchenschuhen mit Absätzen. Sie genoss es, wenn sie die meisten Männer an Körpergröße überragte. Ganz anders Natalie, sie zog flache Ballerinas vor und ein Kleid, das bis zum Boden reichte. Die Grundfarbe war dunkelblau, aber ...
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