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Valerie - Geschichte eines Lebens
Datum: 25.06.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen,
... gezeichnet. Die dunklen Augenringe hatten sich tiefer in meine Haut eingegraben, die ersten feinen Falten gaben sich zu erkennen. Stellenweise entdeckte ich vereinzelte graue Strähnen, die unaufhaltsam Zeichen meines Alters waren. Der sengend heiße Wasserstrahl der Dusche traf meinen Körper und versetzte mich augenblicklich in eine Starre. Ich hatte gehofft, dass diese Hitze mir Erlösung bringen würde, dass sie die Leere vertreiben könnte. Doch es geschah nichts. Mein Körper gab nach, und ich ließ mich auf den Boden sinken. Ich kauerte mich in eine Ecke der Dusche, mich versteckend, wie ein schutzbedürftiges Embryo. Mein Inneres war von Dunkelheit erfüllt, und die Hitze des auf mich niederprasselnden Wassers konnte diesen Schatten nicht vertreiben. Und dann brach es aus mir heraus. Es war ein verzweifeltes Schluchzen. Ich weinte, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Die Tränen strömten unaufhaltsam über meine Wangen, während sich mein ganzer Körper vor Schmerz krümmte. Es war ein Weinen, das von der Tiefe meiner Seele kam, ein Weinen, das all die unterdrückten Emotionen und den inneren Schmerz freisetzte. Kapitel 5 Sue hatte nichts von den Tränen der vergangenen Nacht bemerkt. Sie wusste nicht, dass ich bereits seit vier Stunden regungslos auf der Veranda saß und ins Leere starrte. Der Blick auf den Hafen interessierte mich nicht. Selbst der kleine Leuchtturm, dessen Licht in der Dunkelheit der Orientierungspunkt war, entlockte mir keine Reaktion. Ich konnte ...
... mich nicht einmal daran erinnern, wie ich zum Bäcker gegangen war oder wie ich das Frühstück zubereitet hatte, das nun auf dem Tisch stand. Die warme Herbstsonne und die wenigen Wolken am Himmel entgingen meiner Wahrnehmung. Ich war viel zu sehr mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt. Etwas hatte sich in meinem Leben verändert. Etwas war gewaltig aus den Fugen geraten. Die Valerie, die ich kannte, hätte Sue gefickt, sie geleckt und sie danach liegenlassen. Aber jetzt? Ich blickte sie an und sah, was ich nie sehen wollte. Sie war hübsch und jung, ich alt und hässlich. Sie hätte die Tochter sein können, die ich nie hatte. Meine biologische Uhr war still. Ich hörte nichts ticken. Ich hatte sie nie ticken gehört. Über Jahre hinweg hatten Frauen von diesem ominösen Zeitmesser gesprochen, doch ich hatte ihn nie gespürt. Keine Anzeichen, die mir sagten, dass es Zeit war, dass ich mir ein Kind zulegen sollte. Ich war viel zu sehr in meine Karriere vertieft gewesen. Immer die Beste sein zu wollen, hatte mich Kraft und Zeit gekostet. Und nun hatte ich beides nicht mehr. „Wir haben richtig Glück mit dem Wetter", sagte Sue fröhlich und ihr Gesicht strahlte vor Freude. Meine Kleine roch frisch geduscht, auch das Parfüm gefiel mir. Die neuen Kleider standen der jungen Frau gut, und sie sah auf einmal wie ein ganz normales Mädchen aus. Dabei fiel mir auf, dass ich sie zum ersten Mal in einem Kleid sah, das bis zu ihren Knien reichte. „Wir haben es uns auch verdient", lachte ...