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Rehabilitationsmaßnahmen 02
Datum: 07.09.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... patenter Mensch. Wir verzogen uns dann in den Eingangsbereich, holten uns trotz aller Bedenken einen Kaffee aus dem Automaten (Bääh!!) und redeten, bis es Zeit wurde für die Kiste. Denn der nächste Tag würde früh beginnen, spät enden und bestimmt nicht leicht werden. Als ich dann endlich am Abend die Binden entfernen und zusammen rollen konnte, war ich richtig erleichtert. Ich hatte zwar kein Wasser in meinen Beinen, aber Abdrücke von den Bandagen, von denen ich glaubte, man würde sie mir für den Rest meines Lebens ansehen. Es war eine Wohltat, dass endlich wieder Luft an meine Beine durfte. Und ich habe richtig gut und fest geschlafen. * * * Montag, 12. Juni 2023 Als hätte ich es geahnt und war deswegen vielleicht schon wach, kam pünktlich 05:30 Uhr die Stationsschwester in mein Zimmer, zog die Vorhänge auf und nach einem "Huch, sie sind ja schon wach!", wollte sie mir die Beine wickeln. "Nein, heute bitte nicht", wehrte ich ab, "ich habe nachher noch Ergometertraining und Koronar-Basisgruppe und da kann ich es nicht gebrauchen, wenn mir 6m Binden im Fahrtwind hinterher wehen." Fast schien es, als ob sie ein wenig beleidigt war, dann hellte sich ihre Miene wieder auf. "Aber ein Fußbad darf ich Ihnen doch wenigstens bringen, ich meine es doch nur gut." Da hatte ich nichts dagegen, obwohl ich meine Füße zur Entspannung eigentlich erst am Abend in warmes Wasser tunkte. Aber ich genoss diese Viertelstunde, dann zog ich mich an und machte mich auf ...
... die Socken, denn ich musste vor dem Frühstück noch einiges erledigen. Das tägliche Wiegen (vor dem Frühstück) und Melken (Blutabnahme fürs Labor), das erste Blutdruckmessen und den Blutzucker bestimmen. "128, wohl ein bisschen viel auf nüchternen Magen", meinte Stationsschwester Nr.2 und schnalzte abschätzig mit der Zunge. "Haben sie ihre Tabletten schon genommen?" "Hab ich," bestätigte ich, "aber das Krankenhaus in W. hat mir aus unerklärlichen Gründen meine Zuckertabletten ersatzlos gestrichen und erst gestern ist das Frau Dr. L. aufgefallen und sie hat mir neue verschrieben. Also wird es wohl noch ein, zwei Tage dauern, bis die Wirkung wieder voll einsetzt." "Okay", meinte sie, "aber kommen Sie vor dem Mittagessen noch einmal für eine Nachprobe bei mir vorbei." Eine kleine lustige Episode ist noch mit meiner Wickelschwester passiert. Laut maulend stand sie vor den Schränken bei dem Stationszimmer, als ich auf die Blutabnahme wartete und räumte Binden, Salben und Klammern neu ein. Dabei schimpfte sie wie ein Rohrspatz: " Ich möchte es einmal erleben, dass ich pünktlich Feierabend machen kann und rechtzeitig aus diesem Haus komme. Aber nein, ich muss ja mindestens 15 Patienten die Beine wickeln oder die Stützstrümpfe anziehen!" Innerlich bedauerte ich sie ein wenig, weil ich wusste, wie lange es bei mir gedauert hatte, aber ich hatte große Mühe mir ein Grinsen zu verbeißen. Jetzt machte ich aber, dass ich zum Frühstück kam, denn ich wollte meine erste ...