1. Rehabilitationsmaßnahmen 02


    Datum: 07.09.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... unten und aus und begann jedes Bein mit je 3 dieser Binden zu bandagieren. Knapp über den Zehen fing sie an und hörte kurz unterhalb der Knie auf. Und deswegen hatte sie mir die Hose ausgezogen????
    
    Ich blickte an mir herunter und was konnte ich sehen?
    
    Genau so musste sich ein Pharao gefühlt haben, wenn die Priester nach seinem Ableben damit begannen ihn zu mumifizieren. Wenigsten hatte sie mir nicht Herz, Hirn und andere Eingeweide herausgenommen und in separate Kanopen verstaut, wie es im alten Ägypten die Regel war.
    
    Als ob sie wusste, was mir durch den Kopf ging, grinste mich die Schwester dann an und sagte: " Sie dürfen jetzt weiterschlafen. Ich wünsche noch eine gute Nacht."
    
    Ich brummelte noch eine unverständliche Äußerung in meinen kurzgeschorenen Vollbart und sie verließ lachend mein Zimmer.
    
    An Schlaf war natürlich nicht zu denken, ich musste ein Paar Schuhe finden, in die ich jetzt mit meinen Klumpfüßen hineinkam. Meine Turnschuhe waren ziemlich weit und nachdem ich die Einlegesohlen entfernt hatte, gab es auch keine Probleme. Allerdings lief ich jetzt etwas krumm, weil mein linkes Bein nach meiner Hüftoperation 2010 fast 2cm länger war und das rechte mit einer Einlegesohle im Schuh ausgeglichen wurde. "Quasimodo in der Herzklink" wäre vielleicht auch ein Titel für diese Geschichte gewesen.
    
    * * *
    
    Das Frühstück war eine freudige Überraschung. Zu den Semmeln und dem Vollkornbrot, gab es neben den üblichen Zutaten ( Marmelade, Honig, Nutella, Käse ...
    ... und Wurst) zur Feier des Tages Rührei (mit Laktose), was meine Laune in schwindelnde Höhen katapultierte. Ich habe eine schwere Vegetarier- und Veganer-Intoleranz, aber gegen Gluten und Laktose habe ich nichts. Schließlich bin ich als Kind mit normaler und abwechslungsreicher Ernährung großgezogen worden. Nach dem Motto "Was dich nicht umbringt, macht dich nur noch härter."
    
    Nach dem Frühstück noch einmal Blutdruckmessen und siehe da, die Medikamente schienen allmählich ihre Wirkung zu zeigen. 171 - 79 - 66, da hatte ich wahrlich keinen Grund zum Meckern. Nur der obere Wert musste noch ordentlich gesenkt werden
    
    Mittags gab es Hähnchenroulade gefüllt mit Spinat und Chinakartoffeln (also Reis), und die war nach dem Nachwürzen ziemlich gut und schmackhaft.
    
    Jetzt lernte ich auch Selim, den türkischen Professor und Arzt kennen und dann setzte sich noch eine Patientin vom Nebentisch, der bereits abgeräumt war zu uns und es begann eine angeregte Unterhaltung, bis uns das Küchenpersonal zu verstehen gab, dass sie auch langsam Feierabend machen wollten.
    
    Zu Prof. Selim noch eine kleine Anmerkung. Als ich ihn kennenlernte, dachte ich doch allen Ernstes "noch ein türkischer Kebabverkäufer", denn er hatte eine Art und ein Gebaren, dass ich ihn mir auf einem orientalischen Basar vorstellen konnte. Aber der erste Eindruck kann gewaltig täuschen. Selim war ein weltweit gefragter Chirurg und Internist, hatte ein überragendes Wissen und war trotz seines Rufes ein umgänglicher und ...
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