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Rehabilitationsmaßnahmen 02
Datum: 07.09.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... Worte. Es kam, wie es kommen musste, irgendwann fanden sich unsere Hände und die Luft schien zu knistern. Wie lange das ganze angedauert hatte, kann ich heute nicht mehr sagen, aber plötzlich schaute sie ganz erschrocken auf ihre Uhr. "Oh Gott, schon so spät. Ich muss nach Hause und du in die Klinik, bevor sie die Türen absperren. Danke, dass du nicht versucht hast, mich zu etwas zu drängen. Das rechne ich dir hoch an. Wir sehen uns morgen." Sie hauchte mir einen sanften Kuss auf die Wange und dann war sie wie ein Geist verschwunden. Und ich Depp hatte vor lauter Reden und Starren vergessen, sie zu fragen, wie sie heißt. * * * Donnerstag, 15.Juni 2023 Es war eine unruhige Nacht voller mysteriöser Träume gewesen und ich konnte nicht behaupten, dass ich ausgeschlafen hatte. Eigentlich hatte der Tag ganz normal angefangen. Die inzwischen vertraute Routine aus Wiegen, Blut abnehmen und Blutzucker bestimmen, sowie das unvermeidliche Blutdruckmessen. 130 - 60 - 64, kaum zu glauben. Früher wäre ich bei einem so niedrigen Blutdruck tot gewesen, heute fühlte ich mich einfach nur gut. Und dann wurde ich ganz kribbelig, denn ich wollte hinunter, um meine Schönheit zu sehen, deren Anblick mit den Tag noch zusätzlich versüßen würde. Aber nichts war es. Es langte mal gerade für 2 Tassen Kaffee und ein Glas Wasser, was mein morgentliches umfangreiches Frühstück war. Eine neue Tischnachbarin war zu uns gestoßen und saß mir gegenüber. Sie hieß Susanne, war ...
... etwas über 50 Jahre alt, im Gegensatz zu Elena der "Mutti- Typ", aber nicht unattraktiv. Ihr war ein Herzschrittmacher eingepflanzt worden und diese Frauen geben das Tempo vor. Und sie war wie Arne L. Juristin, Rechtsanwältin, das heißt mir wurden bei jeder Mahlzeit gnadenlos juristische Fachausdrücke um die Ohren geschlagen. Paragrapheneintopf und Kanzleiauflauf. Mahlzeit! Und dann ging es los mit Ergometerfahren. Ich hatte meinen Traum des Öfteren in diesem Flur getroffen, also ging ich recht langsam, um ihr vielleicht doch noch zu begegnen. Ein Satz mit X, das war wohl nix. Meine gute Laune rutschte langsam in den Keller und beim Radeln war ich auch nicht gerade mit großer Begeisterung dabei. Danach die Atemübungen und dann ging ich entgegen meiner Routine zum Trinkbrunnen vor um meine Wasserflasche aufzufüllen. Und da kam sie mir entgegen. Sie lächelte mich auf eine Art und Weise an, bei der ich weiche Knie bekam und kein Wort herausbrachte. Ich musste mich schwer zurückhalten, um nicht nach ihrer Hand zu greifen, aber es waren einfach zu viele andere Reha-Teilnehmer um uns herum, also fragte ich sie nur leise, wann wir das Buch besprechen konnten, was ich über sie schreiben durfte und was nicht. Sie kam noch ein Stückchen näher zu mir und flüsterte: "Ich will mit meinem richtigen Namen in dem Buch erscheinen. Ich heiße Devi Anela Sinaratis und bin die Sekretärin von Frau Dr. B., der Chefärztin vom Krankenhaus. Ist das okay"? Mir blieb fast die Spucke weg, als ...