1. Rehabilitationsmaßnahmen 02


    Datum: 07.09.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... trägt. Geh mit offenen Augen durchs Leben. Hier in der Klinik hast du außer den Therapeuten keine jungen Leute und die haben zu viel Respekt vor dir als die rechte Hand der Leitung. Also geh abends mal aus, auf ein Konzert, zum Tanzen oder sonst wohin. Du wirst sicher den Richtigen finden und einen Volltreffer landen, denn du bist eine außergewöhnliche Frau."
    
    "Danke für deine lieb gemeinten Worte, Arne, aber du bist mir noch etwas schuldig."
    
    Ich schaute sie fragend an und schon schlang sie ihre Arme um meinen Hals und küsste mich, dass die Funken nur so flogen. Himmel, konnte die Frau küssen. Der Mann, der sie bekommen würde, war vollbeschäftigt.
    
    "Ts, ts, ts, na sowas. Sollten Sie nicht zu ihrer Therapie gehen, Herr N.? Die Therapeuten mögen es gar nicht, wenn man zu spät kommt."
    
    Cornelia stand in ihrem Türrahmen und lächelte verständnisvoll.
    
    Devi und ich trennten uns mit roten Köpfen, denn die Chefin war so leise gekommen, dass wir nichts davon mitbekommen hatten. Cornelia machte mit der Hand eine wegwerfende Bewegung, die wohl bedeutete, dass ich mich schleichen sollte.
    
    Devi öffnete die Vorzimmertür, nahm mich bei der Hand und zog mich auf den Flur. Köpfe ruckten hoch und starrten uns an.
    
    "Wir gehen ja schon", maulte Devi etwas trotzig.
    
    "Er geht", meinte Cornelia, "und du bleibst hier. Ich brauche dich, um die Krankenakten und Berichte fertig zu machen."
    
    Cornelia zwitscherte wieder ab.
    
    "Sei mir nicht böse, Arne, aber ich komme morgen früh ...
    ... nicht zu dem Treffen. Ich würde das nicht aushalten. Du bedeutest mir doch mehr, als ich gedacht habe. Es tut mir leid."
    
    "Das verstehe ich, Devi und ich akzeptiere das. Ich wünsche dir ein schönes Wochenende und wir sehen uns am Montag wieder."
    
    Devi ging wieder in ihr Büro, ich hatte gleich MTT und ignorierte die fragenden Blicke, die mich den langen Flur entlang verfolgten.
    
    Wider Erwarten gingen mir die Übungen an den 6 Geräten ziemlich locker von der Hand und beim Ergometer erreichte ich abschließend sogar eine persönliche Bestleistung, als ich in 13:45 Minuten 5,8 Kilometer mit einer Belastung von 50 Watt und etwa 78 Upm zurücklegte. Das hatte ich bisher nicht annähernd geschafft. Schieben wir es auf meine euphorische Stimmung.
    
    Die anschließende Hydrojet-Massage genoss ich in vollen Zügen und ging entspannt anschließend zum Mittagessen.
    
    Heute gab es Seelachsfilet mit Reis oder Teigwaren und Buttergemüse, dazu einen gemischten Salat. Als ich den Speisesaal betrat, trafen mich ein paar neugierige Blicke, ansonsten gingen die Unterhaltungen an den Tischen normal weiter. Nur Hans Moser, der heißt wirklich so, krähte ein lautes "Tach Chef" über die Reihen, aber das war man inzwischen von ihm gewohnt und schenkte ihm deshalb keine besondere Beachtung.
    
    Ich holte mein Essen, klemmte meinen Gehstock in meinen Hosengürtel und näherte mich meinem Tisch. Susanne lächelte mich leicht verkniffen an, Miro unser deutsch-rumänischer Fernfahrer und Spediteur, grinste ...
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