1. Rehabilitationsmaßnahmen 02


    Datum: 07.09.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... sie Julia kurz begrüßt hatten, verzehrten sie ungewohnt einsilbig ihr Müsli. Danach blieben sie aber sitzen und nippten in verdächtig kleinen Schlucken an ihren Getränken, vielleicht wollten sie hören, was Julia und ich zu besprechen hatten. Den Gefallen konnte ich ihnen tun und Julia hatte gleich durchschaut, was ich vorhatte und spielte mit.
    
    Sie wollte wissen, aus wieviel Mitgliedern meine Familie besteht und ich erklärte es lang und breit.
    
    "Und deine Frau ist wirklich 31 Jahre jünger als du?", fragte sie neugierig. "Wie lange seid ihn denn schon verheiratet?"
    
    "Ich habe Mel 2012 durch meine Schwester kennengelernt. Sie war beim Judo ihre Schülerin und daraus hat sich eine andauernde Freundschaft entwickelt. Mel und ich sind seit fast 6 Jahren verheiratet. Merkwürdigerweise klappt es immer noch. Wir haben so manchmal unsere Probleme, aber nichts was sich nicht ausräumen lässt, wenn man miteinander redet. Federica ist jetzt zehn, Rosa-Maria acht und die beiden sind aus Melanies erster Ehe mit einem Italiener. Die Zwillinge Samantha und Bastienne sind jetzt fünf, aber alle vier sind unsere Kinder. Wir machen da keine Unterschiede"
    
    Ich konnte förmlich hören, wie die Rechenmaschine im Kopf unserer Gymnasiallehrerin zu rattern begann und wie sie ein wenig blass wurde, als sie das Resultat erkannte. Sie wusste, wie alt ich war und anhand der Daten, die ich Julia gesagt hatte, war es ein Kinderspiel, auf das richtige Ergebnis zu kommen. Bei Susanne dauerte es ein ...
    ... klein wenig länger, aber sie war ja auch keine Lehrerin, sondern Rechtsanwältin. Sie schaute Elena ernüchtert an und schüttelte ihren Kopf.
    
    Als die beiden mich anschauten war ihr Blick anders als sonst. Kein Spott, keine Häme, eher Unglauben.
    
    * * *
    
    Ein Auto, das ich mehr als gut kannte, fuhr auf den Parkplatz vor die Klinik. Mel gurtete die Kinder ab und schon stürzte die ganze Meute in den Speisesaal.
    
    "Papa, Papa, Papa!"
    
    Die Mädchen umarmten mich und klammerten sich an mir fest, hatten sie mich doch die letzten 6 Wochen kaum gesehen, sondern nur mit mir telefoniert. Sie gaben keine Ruhe, bis ich sie alle gebührend gedrückt und geknuddelt hatte. Ich erhob mich etwas mühsam und da stand sie vor mir. Melanie, die meinem Leben nach der Pleite mit Regina wieder einen Sinn gegeben hatte, meine Stütze im Alter, die Frau die ich mehr als alles andere auf der Welt liebte.
    
    Ich sah ihr in die wunderschönen graugrünen Augen, bemerkte ihren fragenden Blick und schüttelte leicht den Kopf. Sie lächelte und kam auf mich zu. Dann lagen wir uns in den Armen und unser Kuss dauerte eine Ewigkeit. Und in diesem Kuss lag alles, was uns wichtig war. Unsere Liebe, unser gegenseitiges Vertrauen, ihre Sorge um meine Gesundheit und meine Sorge wegen ihrem Wohlbefinden und das der Kinder. An der Art wie sie mich küsste, erkannte ich, dass zuhause alles in Ordnung war. Eine Sorge weniger.
    
    Ich stellte Julia meinen Harem vor und die lachte, als sie diesen Ausdruck hörte. Ich hatte halt ...
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