1. Rehabilitationsmaßnahmen 02


    Datum: 07.09.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... bewohnt. Papiere, Stifte, Bonbons und Kekse, auch eine Dose Cola und eine kleine Flasche Mineralwasser und eine aufgerissene Großpackung Tempotaschentücher belegten die gesamte Sitzfläche. Ab und zu nahm er einige kräftige Schlucke aus seiner Wasserflasche und dann furzte er ausdauernd und laut wie ein Steinesel.
    
    Kurz gesagt, er war eine alte Pottsau und ich war froh, als wir endlich in meinem Dorf angekommen waren.
    
    Zuerst einmal in die Wohnung, meinen Koffer abgestellt und dann in den Eisiglu, um meine Frau nach unserer langen Trennung gebührend zu begrüßen. Danach noch einen wunderschönen Blumenstrauß für meine Hausärztin besorgt, denn den hatte sie mehr als verdient. Ohne sie und ihr schnelles Handeln wäre ich heute wahrscheinlich nicht mehr am Leben.
    
    Karin strahlte, als ich ihr in der Praxis den Blumenstrauß überreichte.
    
    "Das ist das erstemal, dass ich von einem Patienten, den ich gegen seinen Willen ins Spital geschickt habe, einen Strauß bekomme. Und noch dazu einen so wunderschönen. Vielen Dank."
    
    Dann wurden wir wieder sachlich und entwickelten einen Medikamentenplan für die nächsten Wochen. Dabei übernahm sie Julia´s Vorschläge fast unverändert, nur wurde Kalinor etwas reduziert und Vitamin B einmal die Woche ersatzlos gestrichen.
    
    "Braucht es nicht, denn sie sind sowieso ständig an der Sonne und den kleinen Rest machn wir mit gesunder Ernährung."
    
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    Freitag, 07. Juli 2023
    
    Das war nun mein zweiter Reha-Aufenthalt innerhalb von 6 Jahren ...
    ... und ich hoffe auch mein letzter.
    
    Ich sitze wieder auf meinem Stammplatz im Eis-Café, schaue hinaus auf die Straße, wo die Dörfler geschäftig ihren Tätigkeiten nachgehen. Aber trotzdem ist es ganz anders wie früher. Nachher öffnen Mel und ich den Eisiglu, die Kinder sind in der Schule und im Kindergarten und meine Gedanken wandern immer wieder nach Krozingen zu Julia und Devi. In der ersten Nacht zuhause habe ich zuerst ziemlich unruhig und schlecht geschlafen, aber als mich dann Melanie fest in ihre Arme geschlossen hat, fand ich meine Ruhe. Ich weiß halt doch, wo ich hingehöre und wem meine wahre Liebe gilt.
    
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    Noch ein kurzer Nachsatz zu dieser Geschichte. Ich habe mir auf Anraten von Julia einen Ergometer angeschafft, den aber alle in der Familie benutzen können. Man sieht, es ist mir Ernst mit meiner Fitness und Gesundheit. Nebenbei bin ich dreimal die Woche bei unserem Physiotherapeuten (sowas gibt es bei uns im Dorf auch!)zur Gymnastik für Herzpatienten.
    
    Und es haben sich drei gute Freundschaften durch die Reha entwickelt. Mit Arne L. telefoniere ich meist am Wochenende, wenn er seine Rechtsangelegenheiten beiseite geschoben hat. Er klingt meist etwas müde, aber das schiebe ich auf sein Alter und auf seinen immer noch nicht befriedigenden Gesundheitszustand.
    
    Auch Devi hat sich schon ein paarmal gemeldet und nicht nur mit mir, sondern auch mit Mel geplaudert. Sie scheint sich mit der Situation abgefunden zu haben und war schon am Wochenende zum Tanzen in ...