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Rehabilitationsmaßnahmen 02
Datum: 07.09.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... sandte Melanie eine Mail, dass ich gut angekommen wäre und versprach, sie und die Kinder am Abend, wenn der Eisiglu geschlossen war, anzurufen. Das Mittagessen war ganz ok, es hätte zwar etwas heißer sein können und etwas mehr Pep von den Gewürzen her hätte auch nicht geschadet. Um 14:15 Uhr hätte ich die Eingangsuntersuchung bei der Stationsärztin. Man würde mich auf meinem Zimmer anrufen, wenn es soweit wäre. Gegen 14 Uhr machte ich mich auf den Weg in Richtung der Ärztezimmer, aber da ich den Namen der Stationsärztin nicht kannte suchte ich mir einen Stuhl, an dem jeder irgendwann vorbeikommen würde. Ich beobachtete den regen Verkehr auf den Gängen, wobei ich feststellte, dass ich mit meinen fast 70 Jahren doch noch der jüngeren Generation zuzurechnen war, die hier die Betten belegte. Sehr viele waren mit Rollstuhl, Rollator und zwei Krücken unterwegs, wo ich mit meinem einzelnen Gehstock schwer ins Hintertreffen kommen würde. Eine junge, attraktive Frau mit langem blonden Haar und einer modischen goldenen Brille sprach mich plötzlich an. "Sind Sie der Herr Arne N.?" Als ich nickte, meinte sie: "Kommen Sie bitte mit. Ich bin Dr. Julia L., ihre Stationsärztin." Als sie das sagte, erkannte ich sofort, dass sie bestimmt nicht aus unserer Gegend kam. Wie sie mir später erzählte, stammte sie auch ursprünglich nicht aus der Rheingegend, was ich schon wegen ihres Akzentes vermutet hatte. In der nächsten Stunde führten wir ein interessantes Gespräch. ...
... Sie wollte alles über meine Vorerkrankungen wissen und hatte scheinbar eine ganze Liste meiner Unfälle und Operationen vor sich auf dem Tisch liegen. "Das wird ein hartes Stück Arbeit mit Ihnen und auch für Sie werden. Wir müssen Ihren Blutdruck noch einmal senken und vor allen Dingen müssen Sie abnehmen. Massiv abnehmen, mindestens 30 kg in den nächsten 2 Jahren. Und das Gewicht darf nicht wieder zugelegt werden. Um die Idealgröße bei ihrem jetzigen Gewicht zu erreichen, müssten sie 35 cm wachsen und das schaffen nicht einmal wir." Sie ließ ein glockenhelles Lachen hören und ich stimmte darin ein. Sie hatte natürlich recht, aber als ehemaliger Restaurantfachmann und Koch hatte ich das Essen und Kochen als letztes Laster behalten. Ich rauchte seit 31 Jahren nicht mehr, hielt mich weitgehend von meinem geliebten spanischen Rotwein fern und als Diabetiker durfte ich mich nicht einmal voll Genuss am eigenen selbst hergestellten Eis laben. Als Frau Doktor mein betrübtes Gesicht sah, lies sie noch einmal ihr bezauberndes Lachen hören und meinte dann: "Wir werden Sie schon auf den rechten Pfad bringen. Wenn sie wirklich alt werden wollen, dann müssen Sie jetzt damit anfangen. Abnehmen, mehr bewegen und zwar nicht nur hier in der Reha, sondern auch später zuhause. Sie haben Familie und diese Familie braucht sie und wird Ihnen sicher zur Seite stehen. Es hört sich jetzt alles schlimmer an, als es dann sein wird. Sie haben Menschen, die sie brauchen und die sie unterstützen, ...