1. Rehabilitationsmaßnahmen 02


    Datum: 07.09.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... aber sie müssen ihren Teil beitragen und es braucht eine Menge Selbstüberwindung und Beharrlichkeit."
    
    Langsam hatte ich begriffen, dass das was sie sagte, ernst gemeint war und dass es diesmal Spitz auf Knopf gestanden hatte. Sie hielt 2 Finger dicht beieinander und meinte: "Es war diesmal so knapp, wirklich. Also fordern sie ihr Glück nicht noch einmal heraus. Diesmal könnte es das letzte Mal gewesen sein."
    
    Ich nickte, als sie mir diese Wahrheit unterbreitete. Ich lies das Ganze sacken und erkannte, dass ich nicht unsterblich war, wie ich bisher scheinbar gemeint hatte. Es war wirklich an der Zeit, dass ich mein Leben noch einmal umkrempelte. Schon wegen meiner Familie. Egoismus war da nicht mehr angesagt.
    
    * * *
    
    Jetzt ging es ans Eingemachte. Meine Medikation wurde umgestellt und zum ersten Mal erklärte mir eine Ärztin ganz genau, warum sie es genau so machte und was sie damit beabsichtigte. Bisher hatten meine Ärzte immer so getan, als wäre alles ein großes Geheimnis und der Patient hätte es so zu akzeptieren. Nun konnte ich mitreden, konnte Einwürfe machen und ihr Fragen stellen. Zum Schluss der Untersuchung hörte sie mich ab, und meinte schließlich: "Was ich nicht verstehe ist, warum das Krankenhaus ihre Diabetestabletten ersatzlos gestrichen hat. Ihr Blutzuckerwert ist nahezu wieder normal, aber der Langzeitwert ist immer noch leicht erhöht. Mit Ihrer Einverständnis verschreibe ich ihnen eine leichte Diabetestablette, nur eine am Tag und die ist im Gegensatz ...
    ... zu ihren bisherigen Medikamenten nierenverträglich, so dass sie keine weiteren Zusatzmedikamente nehmen müssen."
    
    Selbstverständlich war ich damit einverstanden und auch damit, dreimal täglich meinen Blutdruck zu messen und zu notieren. Auch war wiegen einmal vor dem Frühstück angesagt, vor allem um festzustellen, ob sich wieder Wasser in Herz und Lunge bildete. Deshalb in den nächsten 3 Wochen immer die gleiche Zeit, die gleiche Waage und die gleiche Bekleidung. Das konnte ich hinkriegen.
    
    Das Gespräch war nun zu Ende und sie sagte mir noch dass ich am Sonntag den ersten Therapieplan für die nächsten drei Tage erhalten würde. Dann würde ich mich auf das Kommende einstellen können.
    
    Frau Doktor Julia ging vor mir in Richtung Schwesternzimmer und ich konnte von hinten das sanfte Schwingen ihrer entzückenden Kehrseite bewundern.
    
    Vor dem Schwesternzimmer drehte sie sich zu mir, grinste mich an und meinte: "Na, was sagen Sie jetzt? Hat es ihnen gefallen? So wie Sie aussehen, denke ich schon. Also sind Sie doch noch recht lebendig. Ts, ts, ts und das in Ihrem Alter und Zustand. Aber wenn es bei ihrer Therapie hilft, dann habe ich nichts dagegen, wenn Sie weiter hinschauen. Ihnen gefällt das?" und als sie mein Lächeln und Nicken sah, sagte sie etwas, was mich sehr überraschte. "Me too!"
    
    In der Bedeutung hatte ich das noch nie gehört. Nichts Negatives, keine Vorwürfe und Anspielungen, nur Zustimmung. Ich war wirklich verblüfft. Wenn das schon der erste Tag war, wie würde ...
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