1. Schicksalsschläge


    Datum: 10.10.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... rutschend als gehend näherte er sich seinem Unfallgegner, als er plötzlich voller Schrecken das Auto erkannte.
    
    Dieser dunkelblaue C3 gehörte Sylvia Biehler, oder Bernauer, wie sie jetzt hieß.
    
    Hecktisch ging er um den Citroen herum, blieb mit seinem steifen Bein an einem großen Stein hängen und lag erneut auf der Nase. Er versuchte durch die Frontscheibe etwas zu erkennen. Da das Auto auf dem Dach lag, hing Sylvia bewegungslos im Sicherheitsgurt und der Airbag lag schlaff über dem Lenkrad. Blut lief ihr über das Gesicht.
    
    Panik erfasste Theo. Was konnte er tun, bis die Sanitäter da waren?
    
    Zuerst musste er sie aus dem Gurt befreien und aus dem Auto holen. Er schnupperte, roch aber kein Benzin. Die Fahrertür klemmte und egal wie heftig er an ihr riss und zog, sie ging nicht auf. Das gleiche war auch mit der Beifahrertür und den beiden hinteren. Der Rahmen war derartig verformt und gestaucht, dass sich keine Türe öffnen ließ. Und Sylvia zeigte immer noch keine Reaktion.
    
    Theo fiel der Stein ein, er kniete sich nieder und tastete mit seinen Händen über den gefrorenen Boden, bis er ihn gefunden hatte. Er holte aus und schlug damit so lange zu, bis das Fenster erste Risse zeigte und dann zersplitterte. Mit dem Ellenbogen und seinen Händen vergrößerte er das Loch und entfernte die restlichen Glassplitter, bis er seinen Oberkörper teilweise hindurchzwängen konnte. Vorsichtig griff er unter Sylvia hindurch, ertastete das Gurtschloss und indem er sie mit seiner linken ...
    ... Schulter leicht anhob, konnte er es, wenn auch erst nach mehreren Versuchen öffnen.
    
    Er zwängte sich wieder aus der Türrahmen und zog Sylvia so vorsichtig er konnte aus dem Fahrzeug. Sie stöhnte vor Schmerzen auf, erwachte aber nicht aus ihrer Ohnmacht.
    
    Zwei Männer kamen den Hang herunter gerannt und brachten eine Rettungsdecke und einen Verbandskasten mit. Sie wickelten die Verletzte in die Decke und Theo reinigte provisorisch ihre Kopfwunde, die glücklicherweise nicht allzu stark blutete. Er kniete sich vor sie hin und legte ihren Kopf auf seine Oberschenkel. Die linke Schulter war wahrscheinlich ausgekugelt und der Arm allem Anschein nach gebrochen, aber da traute er sich nicht etwas zu unternehmen, da er nicht erkennen konnte, ob irgendetwas geschient oder gerichtet werden musste. Unter die Beine legte er seine zusammengelegte Wolldecke, weil nicht wusste, ob sie einen Schock erlitten hatte. Das wusste er noch aus seinem Erste-Hilfe-Kurs.
    
    Blaulicht blitze auf und der Notarzt und drei Sanitäter, sowie zwei Polizisten kamen zu ihnen herunter. Der Arzt, es war Sven K., sein Hausarzt, untersuchte Sylvia kurz, aber da sie nicht antworten konnte, gab Theo so gut er konnte, Auskunft. Er schilderte den Polizisten den Unfallhergang, lies aber Sylvia dabei keine Sekunde aus den Augen.
    
    Die Rettungssanitäter legten Sylvia auf eine Trage und brachten sie mit Mühe den Abhang hinauf zum Sanka.
    
    "Zeig mal deine Hände", meinte der Arzt zu Theo, der erstaunt seine Arme ausstreckte ...
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