1. Schicksalsschläge


    Datum: 10.10.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... und feststellte, dass sie voller Blut waren. "Hast du das gar nicht gemerkt? Sag bloß, du hast die Seitenscheibe mit den bloßen Händen weggemacht?"
    
    "Ich hatte doch nichts anderes, nicht einmal Handschuhe", rechtfertigte sich Theo. "Kann ich mit ins Krankenhaus fahren? Ich möchte doch wissen, wie es Sylvia geht und was sie hat."
    
    "Keine Chance, Theo, ich rufe an wenn wir wissen, was ihr fehlt. Ich versorge jetzt deine Hände, dann fährst du zu Sylvias Eltern und informierst sie. Schon allein wegen der Kinder."
    
    Dr. K. entfernte die Glassplitter, desinfizierte und verband Theos Hände.
    
    "Kannst du so fahren?" wollte er wissen.
    
    "Geht schon, muss gehen. Vielen Dank auch", brummte Theo.
    
    "Dann nichts wie heim und schau morgen mal kurz in der Praxis vorbei, damit ich mir deine Hände noch einmal anschauen kann", meinte sein Arzt, klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter und ging zu seinem Wagen, um ins Krankenhaus zu fahren.
    
    Theo begutachtete den Schaden an seinem rechten Kotflügel und beschloss gleich morgen früh die Birne und das Glas in seiner Werkstatt ersetzen zu lassen.
    
    Und Sylvias Auto musste auch in die Werkstatt.
    
    * * *
    
    Er war schon etwas beklommen und unsicher, als er eine halbe Stunde später in den Hof von Sylvias Bauernhof einbog. Aus den Fenstern im Erdgeschoß fiel Licht auf den verschneiten Eingangsbereich.
    
    Er drückte auf die Klingel und hörte schnelle Schritte durch den Flur kommen. Sylvias Mutter schaute ihn erstaunt an.
    
    "Hey, Theo, ...
    ... was machst denn du hier? Ist etwas passiert? Komm doch herein."
    
    "Ja, Renate, es ist etwas passiert. Ich erzähle es dir drinnen."
    
    Sylvias Schwiegervater und die Kinder sassen beim Abendbrot und Theo wurde aufgefordert Platz zu nehmen und zuzugreifen.
    
    Er schüttelte den Kopf und meinte: "Ja, es ist etwas passiert. Sylvia hatte einen kleinen Unfall bei Hänner und hat das Auto ein wenig verformt."
    
    Das war sehr beschönigend ausgedruckt, aber er wollte Sylvias Mutter, den Schwiegervater und insbesondere die Kinder nicht mit unverblümten Tatsachen vor die Wand laufen lassen. Also probierte er es mit besänftigenden Umschreibungen, aber Silvias Mutter konnte er nichts vormachen.
    
    "Also, Theo, raus damit. Was ist passiert?"
    
    Er seufzte: "Okay, Sylvia hatte einen Unfall. Das Auto ist so ziemlich hinüber, aber sie eine Menge Glück gehabt. Ich konnte sie aus dem Auto bergen, den Notarzt rufen und Dr. K. hat als erste vorläufige Diagnose eine ausgekugelte Schulter, einen gebrochenen Arm, etliche Prellungen und eine Gehirnerschütterung festgestellt. Sie ist jetzt in W. im Krankenhaus, wo sie meiner Meinung nach für mindestens eine Woche bleiben wird. Mehr weiß ich auch nicht, aber der Doc wird sicher noch bei euch anrufen und es euch dann sagen."
    
    Die beiden größeren Kinder fingen an zu weinen, als sie hörten, was ihrer Mutter widerfahren war, den beiden Kleinen musste man es erst erklären, aber dann weinten sie auch. Theo empfand unendliches Mitleid und nahm die beiden in ...
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