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Schicksalsschläge
Datum: 10.10.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,
... Leonidas und Sophie hatten es sich auf der Bettkante bequem gemacht. Renate hatte sich vom Flur einen weiteren Stuhl organisiert und saß nun auf der anderen Seite des Bettes. Sie betrachtete sich Theo und ihre Enkel und machte sich so ihre Gedanken. Was wäre wenn . .? Theo gingen ähnliche Gedanken durch den Kopf und sie wären wohl erstaunt gewesen, wenn sie gewusst hätten, was der Gegenüber so überlegte. Theo wurde sentimental, als er sich überlegte, was gewesen wäre, hätten Sylvia und er sich damals nicht getrennt und geheiratet. Dann wären die Vier seine Kinder, Sylvia wäre seine Frau und . . . und . . .und. . .und. Wäre und hätte, aber es war ganz anders gekommen. Aber jetzt saß er da, hielt ihre Hand und hatte zwei ihrer Kleinen auf dem Schoß. Insgeheim fühlte er sich doch wie ein Vater. Sylvia lag ruhig in ihrem Bett und fühlte Theos warme Hand, die ihre sanft umfasst hatte und ihr ein Gefühl der Vertrautheit und Zufriedenheit gab. Er hatte sich in seinem Stuhl zurückgelehnt, die Augen geschlossen und ihre Kleinen sicher auf seinem Schoß. Was ihm durch den Kopf ging, das wusste sie nicht, aber er machte einen zufriedenen und ausgeglichenen Eindruck. Sie überdachte ihr bisheriges Leben und fragte sich, ob sie vielleicht etwas falsch gemacht hatte. Sie hatte Theo damals sehr gekränkt, als sie ihn wegen Michael verließ, aber sie wollte doch unbedingt Kinder und die konnte ihr Theo auf Grund seiner Verletzungen und gesundheitlichen Einschränkungen nicht geben. ...
... Ja, heute wäre das vielleicht möglich, aber würde er sie überhaupt noch mögen? Da war sie sich ganz und gar nicht sicher. Sie hatte damals hauptsächlich an sich gedacht und durch ihren Egoismus hatte sie ihn sehr gekränkt. Und als er vor einiger Zeit die Verbindung mit Monika eingegangen war, da war sie ordentlich eifersüchtig gewesen, denn Monika war als Leiterin der Verwaltung der Supermärkte quasi ihre Vorgesetzte gewesen und deshalb auch weisungsbefugt. Sie waren öfter verschiedener Meinung gewesen und auch mehr als einmal zusammen gerumpelt, also konnte man mit Fug und Recht behaupten, dass sie nicht gerade die besten Freundinnen gewesen waren. Aber wo sie Monika Malters als Rivalin und kaltes, unpersönliches Wesen wahrgenommen hatte, da musste Theo andere Seiten bei ihr entdeckt haben. Als sie ihn sich etwas genauer anblickte, erkannte sie, dass er sich im Laufe der Jahre zumindest äußerlich erheblich verändert hatte. War er früher eher feingliedrig und etwas weich gewesen, so hatte sein Gesicht jetzt kantigere Züge, an seinen Schläfen sah sie die ersten grauen Haare, denn die vergangenen Jahre und Schicksalsschläge hatten ihre Spuren hinterlassen. Tiefe Falten hatten sich aufgrund der Erlebnisse in seiner Vergangenheit in seinem Gesicht eingegraben und ließen ihn ernster, aber auch männlicher erscheinen. Sylvia verlor sich so allmählich in ihren Gedanken und auch Theo nahm nicht so wirklich an der Unterhaltung teil. Die Kinder wurden allmählich unruhig und ...