1. Schicksalsschläge


    Datum: 10.10.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... was ist das? Hast du dich vielleicht verletzt, als du mich aus dem Auto gezogen hast?"
    
    "Ach Sylvie, die paar kleinen Schnitte sind doch nicht der Rede wert", sagte er, sog aber schmerzhaft die Luft ein als Sylvia etwas fester zudrückte. Die Arbeit als Bäuerin hatte sie kräftiger werden lassen, als zu der Zeit, als sie im Supermarkt noch an der Kasse saß.
    
    "Theo, Theo, mach so was nie wieder. Du darfst dich doch wegen mir nicht in Lebensgefahr bringen, das bin ich doch nicht w . . . "
    
    "Stopp, Sylvie, sag es nicht, sag es bloß nicht. Wer soll es denn sonst für mich wert sein, wenn nicht du?" Theo liefen die Tränen über die Wangen und er schämte sich nicht deswegen. "Du warst mein Leben, Sylvia, mein ein und alles. Dass du dich damals für Michael entschieden hast, kann ich dir heute nicht mehr übel nehmen. Ein wenig verstehe ich dich. Als du so in deinem Auto lagst, da konnte ich einfach nicht anders. Ich mag dich noch immer, nein, eigentlich ist es mehr, aber ich möchte nicht mehr sagen. Ich habe an deine Kinder gedacht und da war mir klar, dass ich es einfach tun musste. Ich konnte es nicht zulassen, dass deine Kinder nach dem Vater auch noch die Mutter verlieren. An mich habe dabei nicht gedacht. Und nachdem du auf dem Weg ins Krankenhaus warst, hatte ich nichts anderes im Sinn, als deine Mama und Walter zu benachrichtigen und ein wenig zu beruhigen. Das war alles was mir den Sinn kam. "
    
    "Theo?", fragte sie ungläubig," ist es das was ich da höre? Habe ich das ...
    ... richtig verstanden? Du magst mich immer noch nach all dem, was ich dir angetan habe?"
    
    " Natürlich bin ich immer noch in dich verliebt, ich habe nie damit aufgehört. Ich hatte zwar die Hoffnung schon fast aufgegeben, aber an das letzte Fünkchen habe ich mich geklammert. Und jetzt nach deinem Unfall hatte ich die Möglichkeit dir vielleicht zu helfen und dich wiederzusehen. Mehr wollte ich eigentlich erst gar nicht, aber nachdem ich deine Kinder kennengelernt habe, gibt es auf einmal andere Prioritäten für mich. Ich möchte für dich und deine Kinder da sein und helfen, so gut ich kann. Und wenn es nur als Freund der Familie ist."
    
    "Als Freund der Familie? Theo, im Leben nicht. Obwohl ich mit Michael ein gutes Leben hatte, habe ich doch sehr oft an dich gedacht. An unsere gemeinsame Zeit und die Dinge die wir miteinander geteilt hatten. Ich habe mitbekommen, was dir alles widerfahren ist, aber ich hatte niemals den Mut auf dich zuzugehen und mit dir zu reden. Nein, das habe ich mich nicht getraut. Aber ich bin oft in meinem Bett gelegen, habe an dich gedacht und mich in den Schlaf geweint, weil ich manchmal richtig verzweifelt war, wenn ich an deine Situation gedacht habe."
    
    "Sylvia, ich bitte dich, mach dir keine Gedanken mehr über das, was jetzt schon Vergangenheit ist. Vorbei ist vorbei, nicht vergessen, aber in den Hintergrund gedrängt. Du hast deine Zukunft und die deiner Kinder vor dir, darum schaue optimistisch nach vorne."
    
    Sylvia überlegte länger und sagte erst ...
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