1. Schicksalsschläge


    Datum: 10.10.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane,

    ... schon gedulden müssen."
    
    "Ach du lieber Himmel, Sylvia will doch Kinder und von einer künstlichen Befruchtung hält sie überhaupt nichts. Was sollen wir denn da machen?", fragte Theo mit einem leichten Anflug von Verzweiflung. Der Sex mit ihr machte ihm sehr viel Spaß, aber wenn er seinen Schlaffi mangels Standfestigkeit nicht mehr einfädeln konnte, dann war bald Schluss mit Lustig. Und durch Schluckimpfung konnte keine Frau ein Kind bekommen.
    
    "Also, du musst sowieso bald wieder auf Reha wegen deiner Hüfte und der Wirbelsäule und ich rede mit der Klinik, dass sie entsprechende Behandlungen in die Wege leitet. Aber das dauert trotz allem ziemlich lange und du musst deinen Teil dazu beitragen. Und glaube mir, das wird bestimmt nicht leicht."
    
    * * *
    
    Deprimiert machte sich Theo auf den Heimweg. Er nahm sich die Zeit, mit Sylvia ausführlich zu reden, ihr seine Probleme und deren Behandlung darzulegen und sagte ihr dass er sie wirklich liebte und sie glücklich machen wollte.
    
    "Aber Theo, ich will doch wirklich Kinder und ich will nicht ewig warten", jammerte Sylvia. "Ich werde doch auch nicht jünger."
    
    Sie war jetzt sechsundzwanzig und Theo meinte, dass sie sich noch ein wenig gedulden müsse. Er musste seinen Gesundheitszustand auf Vordermann bringen und das ginge halt nicht von einem Tag auf den anderen.
    
    Mit der Zeit merkte er, dass sie sich immer mehr auseinander lebten; sie stritten häufiger und Sylvia kam immer seltener zu ihm.
    
    Die erste Reha brachte keine ...
    ... sichtbaren Fortschritte, aber die Ärzte hätten ihn auch vor allzu großem Optimismus gewarnt.
    
    Und dann machte Sylvia mit ihm Schluss. Sie war zu der Einsicht gekommen, dass sie sich ihre Zukunft anders vorgestellt hatte und es besser wäre, wenn sie sich trennten.
    
    Für Theo brach eine Welt zusammen, als er von Sylvias Mutter erfuhr, dass sie einen betuchten Bauern kennengelernt hatte, der ihr vehement den Hof machte und dem sie schließlich das Jawort gab.
    
    Am Tag der Hochzeit von Michael und Sylvia besoff sich Theo zu ersten Mal in seinem Leben bis zur Besinnungslosigkeit. Als er am übernächsten Tag wieder bei klarem Verstand war, nahm er sich vor, sein Leben von Grund auf zu ändern.
    
    * * *
    
    Er stürzte sich auf seine Arbeit. Seine ehemaliger Arbeitgeber hatte ihn händeringend um einige Entwürfe von Eishockeytrikots gebeten, da sein Nachfolger in der Firma als Graphiker scheinbar über wenig Fantasie und Kreativität zu verfügen schien. Als Theo dessen Trikots sah, da wunderte er sich nicht, dass der Absatz mehr als schleppend lief.
    
    Aber als Drucker war an ihm nichts zu meckern. Die Papiere warten perfekt bedruckt, es gab keine Farbverläufe, die Farben waren genau so, wie sie der Auftraggeber wollte und alles war extrem passgenau gefertigt.
    
    Also besorgte er sich einige Rollen Amberlith-Folie, spitzte seine Bleistifte und schärfte sein Skalpell. Aus PVC hatte er sich in den passenden Größen entsprechende Schablonen geschnitten, übertrug die verschiedenen Folien auf ...
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