1. Nikolaj Nikolajew


    Datum: 01.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt,

    ... façonnables, cremefarbenes Kleid mit eng geschnürter Taille. Umso ausladender wurde es nördlich und südlich des Äquators. Wobei großzügige Wellen des kostbaren Tuchs die natürlichen Körperformen unter sich verborgen. Lediglich der Hals und ein Teil der Schultern zeigten ein bisschen Haut. Ein Hauch von Veilchenduft wehte mir entgegen.
    
    Noch einmal erklärte ich, wer und weshalb ich hier war. Ihre zunächst misstrauische Miene glättete sich und sie bat mich herein.
    
    Mein Herz raste und ein leichtes Zittern hatte sich meiner Hände bemächtigt. Eigentlich neigte ich nicht zu Nervosität und ich schob die Symptome auf den Umstand, dass ich mit meinem Auftreten meiner innersten Weltanschauung zuwiderhandelte. Aber einen Rückzieher wollte ich nun auch nicht mehr machen, nachdem ich schon einmal hier war.
    
    Die Hausherrin führte mich in einen Salon, in dem ein gepolstertes Sofa und bequeme Stühle um ein kleines Teetischchen mit einem darauf platzierten silbernen Samowar gruppiert waren. Eine verglaste Vitrine enthielt feines Porzellan und auf drei an den Wänden stehenden Kommoden waren Nippes-Figuren aufgestellt. Die hohen Fenster wurden von langen, schweren Vorhängen eingerahmt.
    
    „Ich bin Olga," stellte sie sich vor, „meine Schwester Polina begleitet noch meine Mutter zum Kurarzt. Sie sind etwas zu früh erschienen."
    
    Es klang nach einer nüchternen Feststellung, keinem Tadel, doch ihre Stirn legte sich in Falten und sie kniff die Augen zusammen, als sie mich ansah. Ich spürte ...
    ... eine gewisse Verärgerung über ihr strenges Verhalten, obwohl ich mir eigentlich kein reizbares Naturell zuschrieb.
    
    Andererseits konnte ich ihr nicht ernsthaft widersprechen. Meine einzige Taschenuhr hatte ich schon vor langer Zeit versetzt. Und zwar hatte ich die Zeit, die ich für die Wegstrecke von meiner Unterkunft zum Zielort zu benötigen gedachte, grob abgeschätzt. Jedoch war es wahrscheinlich, dass ich zu zeitig aufgebrochen war und die Distanz unter der Wirkung des belebenden Mittels schneller als erwartet zurückgelegt hatte. Ich rang mir eine Entschuldigung ab.
    
    Sie bat mich, Platz zu nehmen, blieb selbst aber mit im Schoß gefalteten Händen stehen und wusste offensichtlich nicht, was sie mit mir anfangen sollte, während wir warteten. Nach einigem peinlichen Schweigen fragte sie:
    
    „Kann ich Ihnen etwas anbieten? Einen Tee vielleicht?"
    
    „Ja, gerne," erwiderte ich hastig, obwohl ich nicht durstig war, froh die unangenehme Situation aufzulösen.
    
    Erleichtert, etwas zu tun zu haben, prüfte sie den Kessel des Samowars und die kleine Kanne mit dem Teekonzentrat, das auf seiner Spitze warmgehalten wurde.
    
    „Ich muss Wasser auffüllen."
    
    Wieder war es eine einfache, neutrale Aussage, doch ihr Blick, den sie mir dabei zuwarf, wirkte, als gebe sie mir die Schuld dafür, dass der Wasserbehälter nicht voll war. Ich konnte nicht mehr an mich halten und platzte heraus:
    
    „Habe ich Sie irgendwie verärgert?"
    
    „Nein, keinesfalls," sie erschrak sichtlich über meine Frage, ...
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