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Nikolaj Nikolajew
Datum: 01.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt,
... „wie kommen Sie zu dieser Annahme?" „Sie sehen mich an, als würde Sie meine Anwesenheit stören. Wenn Sie es wünschen, werde ich mich sofort verabschieden und das Haus verlassen." Meine Beine zuckten und am liebsten wäre ich aufgesprungen. Ich war aufgebracht, weil die gute Laune, in die mich die Medikation versetzt hatte, durch die bedrückende Stimmung im Zimmer in ihr Gegenteil verkehrt zu werden drohte. „Oh, nein, das ist ein Fehlschluss." Mit einer affektierten Geste legte sie einen Handrücken an ihre Stirn. „Ich habe lediglich ein wenig Migräne. Bitte entschuldigen Sie, dass ich deswegen keine gute Gastgeberin bin. Ich hatte beabsichtigt, mich ein wenig hinzulegen, weshalb ich meine Mutter und Schwester nicht begleitet habe." Ich kam mir vor wie ein Idiot und brachte stammelnd mein Bedauern zum Ausdruck, dass ich sie davon abgehalten hatte. „Ich bitte Sie, das ist doch kein Problem. So konnte ich wenigstens verhindern, dass Sie vor dem Haus hätten auf uns warten müssen," versuchte sie, mich zu beruhigen. Dabei stahl sich zum ersten Mal, seit wir uns kennengelernt hatten, ein Lächeln auf ihre Lippen, wie ein Sonnenstrahl, der eine Wolkendecke durchbrach und einen trüben Tag aufhellte. Unvermittelt schmolz mein Unmut wie Schnee in der Frühlingssonne. Ich lächelte zurück. „Sie sind zu gütig. Ich bitte vielmals um Verzeihung, dass ich Ihre Erholung gestört habe." „Keine Ursache. Dann kümmere ich mich jetzt um heißes Wasser." Geschäftig eilte sie ...
... davon, kurz darauf hörte ich klappernde Geräusche, vermutlich aus der Küche. Noch bevor sie den Salon verlassen hatte, war mein Entschluss gefasst. Ich musste das liebliche Wesen von seinen Kopfschmerzen befreien. Ohne Zögern riss ich ein neues Briefchen auf, schüttete den kompletten Inhalt in die Teekanne und schwenkte sie ausgiebig, damit die Körnchen sich auflösten. Als sie mit einem Topf gekochten Wassers zurückkehrte, schnellte ich von meinem Stuhl hoch wie eine Sprungfeder, stieß gegen den Tisch und alles geriet gefährlich ins Wanken. Glücklicherweise kam es zu keiner Katastrophe. Olgas herzliches Lachen über meine Ungeschicklichkeit ließ den Schrecken prompt verfliegen. Sie musste ein Engel sein. „Haben Sie denn keine Bediensteten, die Ihnen die Arbeit abnehmen könnten?" „Unsere Angestellten sind in Moskau, wo sie sich um unseren Vater kümmern, der seine Geschäfte weiterführt, während wir hier auf Kur sind. Unsere Mutter ist außerdem der Ansicht, dass Polina und ich durchaus lernen sollten, einen Haushalt selbst zu führen. Ich habe auch gar nichts dagegen, selbst Hand anzulegen, sondern finde es sehr sinnstiftend, etwas Praktisches zu tun." Ich war sehr erleichtert zu hören, dass meine Befürchtung, dass sie zu den Parasiten gehören könnte, die nur zu Lasten der unteren Stände lebten, unbegründet war. Ich half ihr, den Heizkessel aufzufüllen. Danach holte sie zwei Tassen aus der Vitrine und bereite unseren Tee, ehe sie sich auf das Sofa setzte, dabei ...