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Nikolaj Nikolajew
Datum: 01.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt,
... geschickt ihre ausladenden Röcke bändigend, um eine halbwegs bequeme Position einzunehmen. Mit spitzbübischer Vorfreude wartete ich darauf, dass sie ihr Getränk zu sich nahm und dann feststellen würde, dass es ihr besser ging. Erst danach würde ich enthüllen, dass ich die Ursache ihrer Genesung war. Sie würde nichts als Dankbarkeit mir gegenüber empfinden, was mich jetzt schon mit einer Erregung erfüllte, die ich schon Ewigkeiten nicht mehr gespürt hatte. Zusehends nahm ich sie als Frau wahr und wurde mir schmerzhaft bewusst, wie lange ich schon völlig alleine lebte. Ich meinte, den Tränen nahe zu sein. Meine rasanten Stimmungsumschwünge verwirrten mich. „Sie sind also Literaturprofessor, Nikolaj Nikolajew?" Ihre Frage riss mich aus meinen Träumen. „Äh, nein. Nicht wirklich. Ich bin Dichter. Und, bitte, nennen Sie mich einfach Nikolaj." „Aber das gehört sich nicht für eine Schülerin gegenüber ihrem Lehrer, ihn nur mit dem Vornamen anzusprechen." „Noch bin ich nicht ihr Lehrer, Olga. Erst müssen Sie und selbstverständlich auch Ihre Mutter und Ihre Schwester mich für würdig befinden." „Also gut, Nikolaj. Dichter zu sein stelle ich mir sehr romantisch vor. Ich bin überzeugt, dass Ihre Gedichte ganz wunderbar sind. Vielleicht habe ich schon einmal eines Ihrer Werke gelesen?" „Ich fürchte, das wird kaum möglich sein, denn ich habe noch kein eigenes Buch veröffentlicht." „Oh, weshalb denn nicht?" Nun bewegte sich die Konversation in eine Richtung, ...
... die mir als sehr gefährlich erscheinen wollte. Meine Geschichte und die Gründe, weshalb ich Russland hatte verlassen müssen, waren nichts, was ich offenbaren wollte. Also wechselte ich das Thema und erkundigte mich, welche anderen Autoren sie schon gelesen hatte. Tatsächlich war sie in der Literatur einigermaßen bewandert und wir unterhielten uns wunderbar, wobei es mir gelang, sie immer wieder mit meinen profunden Kenntnissen oder für sie frischen Einsichten in ihre Lektüre zu erstaunen. Währenddessen hielt ich zusehends nervös nach Anzeichen Ausschau, dass die Medizin Olgas Beschwerden linderte. Ihr Gesicht rötete sich zusehends und eine Ader an ihrem weißen Hals fing an, im schneller werdenden Takt ihres Herzens sichtbar zu pulsieren. Ihre Bewegungen wurden fahriger und zunehmend unruhig rutschte sie auf ihrem Platz hin und her. Ihr Busen unter dem züchtigen Kleid hob und senkte sich mit ihrem merklich beschleunigten Atem. Ich erwartete, dass sich bei ihr in Kürze das Hochgefühl einstellte, das ich bereits erfahren durfte. Stattdessen rammte mir Entsetzen ein Messer in die Eingeweide, als sie plötzlich nach Luft rang. Sie fasste sich an den Hals. Ihre Tasse fiel klirrend auf den Teppich. Ihre Pupillen weiteten sich so sehr, dass man kaum noch die Iris erkennen konnte. Dann fiel sie in sich zusammen wie eine Marionette, der man die Schnüre zerschnitten hatte. In Gedankenschnelle war ich bei ihr. Ich tätschelte ihre Wange und rieb ihre Hände, ohne irgendeine Veränderung ...