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Nikolaj Nikolajew
Datum: 01.11.2021, Kategorien: Nicht festgelegt,
... ihres Zustands zu bewirken. Verzweifelt prüfte ich, ob sie noch lebte. „Oh, Gott, ich habe sie vergiftet." Ich verfluchte Dmitrij und seine höllische Droge und vor allem anderen mich selbst. Meine Gedanken rasten. Kurz dachte ich an Flucht. Doch abgesehen davon, dass der Pförtner wusste, dass ich die Wohnung aufgesucht hatte, und mich als Mörder identifizieren würde, brächte ich es nicht übers Herz, dieses wunderschöne, hilflose Wesen zurückzulassen, ohne alles zu seiner Rettung getan zu haben. Sie brauchte vor allem Luft zum Atmen, das war mir klar. Ihre beengende Kleidung hinderte sie aber daran, ihre Lungen zu füllen. Unbedingt musste ich sie davon befreien. Unglücklicherweise hatte ich keine Ahnung, wie man ein Korsett aufschnürte. Ich drehte die Leidende auf den Bauch, um an die Schnüre zu gelangen, doch die unzähligen, straffen Bänder und Schlaufen waren für meine zitternden Finger ein unlösbarer gordischer Knoten. Wie der Blitz sauste ich von Kommode zu Kommode und riss Schubladen auf, bis ich ein ausreichend scharfes Messer fand und damit zu der Liegenden flog. Ich schnitt durch Kordeln und Stoffbahnen, stets bemüht, die empfindliche Haut darunter nicht zu verletzen. Immer wieder verhedderte sich die Klinge in den zahlreichen Lagen der Kleidung und diversen Unterröcken. Mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft riss und zerrte ich daran, bis endlich ein röchelnder Atemzug des Mädchens mich aus meiner Qual erlöste. Beständig streichelte ich ihren ...
... bloßen Rücken, um ihr Linderung zu verschaffen, bis sie wieder regelmäßig Luft holte. Erschöpft sank ich neben ihr aufs Sofa und ließ Haupt und Schultern hängen. Statt als strahlenden Helden hatte ich mich als perfiden Giftmischer erwiesen. Ob sie mir diese Schandtat jemals verzeihen würde, war mehr als unwahrscheinlich. Nachdenklich sah ich auf sie herab. Langsam dämmerte mir, in welchen desolaten und würdelosen Zustand ich sie versetzt hatte. Ihre Kleidung war vom Nacken bis zu den Oberschenkeln zerschnitten und klaffte weit auseinander. Von ihrem paradiesischen Leib konnte ich mehr erblicken, als es irgendjemand als vielleicht ihre Mutter und irgendwann ihr Ehemann zu Gesicht bekommen sollte. Zu allem Übermaß hatte trotz all meiner Vorsicht die spitze Klinge eine Verletzung hinterlassen, aus der ein schmales rotes Rinnsal über die ansonsten makellose Haut rann. Unbeholfen bemühte ich mich, das Kleid wieder irgendwie über sie zu ziehen. Aber wenn ich etwas damit bewirkte, dann nur, dass es noch mehr zerstört wurde. Bebend suchte ich nach einem Weg, die Situation irgendwie zu retten. Wenn doch nur mein Schädel klarer wäre, damit ich besser denken könnte. Wie von selbst fand meine Hand in meine Rocktasche und holte die weißen Briefchen hervor. Angewidert starrte ich das Teufelszeug an. Aber möglicherweise könnte es mir helfen, schneller zu denken und so einen Ausweg aus dem Schlamassel zu finden, in den es mich gestürzt hatte. Ich musste nur dafür sorgen, dass es ...