1. Doro 07: Schwere Entscheidungen


    Datum: 20.02.2022, Kategorien: Nicht festgelegt,

    ... nur in eine endlose Flucht und am Ende in einen noch grausameren Tod münden.
    
    „Was soll ich nur tun?"
    
    „Mich zur Botschaft bringen."
    
    Entgeistert blieb er auf der Stelle stehen und sah die junge Frau an. Es war der erste Satz, den sie gesprochen hatte, seit sie ins Auto gestiegen war. Er hatte gar nicht mehr damit gerechnet, dass sie etwas laut sagen würde.
    
    Und was sie gesagt hatte, ergab sogar Sinn. Er musste sie auftragsgemäß abliefern. Natürlich nicht bei der Botschaft, aber das konnte sie ja nicht wissen. Es war die eine Option, die ihm die besten Chancen verschaffte, mit einigermaßen heiler Haut aus der Sache heraus zu kommen.
    
    Wenn er sie zu seinem Boss brachte, hatte er zumindest seinen Job erledigt. Und alles andere, seine Verspätung, ihr derangiertes Aussehen, dafür würde ihm schon eine Erklärung einfallen. Schließlich war er nicht auf den Mund gefallen. Nur durfte sie ihn nicht bloßstellen, ihm nicht widersprechen, sonst würde es schwierig werden, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
    
    „Ja, da hast du recht", antwortete er, „selbstverständlich bringe ich dich ans Ziel. Nur ..."
    
    Sie sah ihn aufmerksam an.
    
    „Nur darfst du niemandem erzählen, was wir beide hier gemacht haben. Noch nicht einmal, dass wir die Fahrt unterbrochen haben und hier an diesem Ort waren, darfst du erwähnen. Würdest du das tun?"
    
    Sie nickte beflissen.
    
    Ihm fiel ein Stein vom Herzen. Seine Chancen, diesen Schlamassel zu überleben, waren soeben um tausend Prozent ...
    ... gestiegen.
    
    *
    
    Auf der Weiterfahrt hingen beide wortlos ihren jeweiligen Gedanken nach, bis der Wagen in eine breite Grundstückseinfahrt einbog und einen von Hecken gesäumten Weg hinauffuhr. Vor einem weitläufigen, zweigeschossigen Gebäude hielt er an, direkt gegenüber der überdachten Veranda, zu der drei Stufen hinaufführten.
    
    „Das ist das Sommerhaus von meinem Chef", erläuterte Thomas.
    
    „Dem Botschafter?"
    
    „H-hm", brummte er bestätigend. Er vermied es, sie bei dieser glatten Lüge anzusehen.
    
    „Ich nehme an, man will dir erst mal die Gelegenheit geben, dich auszuruhen. Dafür ist dieses abgelegene Landgut bestens geeignet. Steigen wir aus. Man erwartet dich schon."
    
    Tatsächlich stand unter dem Vordach eine schlanke, hochgewachsene Dame in einem körperbetont geschneiderten Reitdress mit kniehohen schwarzglänzenden Schaftstiefeln. Ihre silberblonden Haare waren straff zu einem Knoten zurückgebunden. Hohe Wangenknochen und ein blasser Teint verliehen ihr die Aura einer Aristokratin. Wie ein Raubvogel schaute sie auf die Ankömmlinge herab. Kaum hatten die zwei das Fahrzeug verlassen, erhob sie die Stimme.
    
    „Sie kommen spät, Herr Müller."
    
    Die Aussage war kühl und sachlich vorgetragen worden. Kein Tadel, keine Frage, noch eine Aufforderung nach einer Erklärung war darin mitgeschwungen. Dennoch machte sie überdeutlich, dass das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen war. Ein Nerv in Thomas' Mundwinkel zuckte nervös.
    
    Sie musterte seine Begleiterin vom ...
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