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Römische Fesseln 01
Datum: 13.04.2022, Kategorien: Nicht festgelegt,
... trug einen Einteiler, der eigentlich nur zwei Schnüren umfasste, die sich straff über ihre Brüste in den Schritt spannten. Niemals würden diese Bänder bei Kontakt mit Wasser bleiben, wo sie hingehören. Das sah wohl auch unsere sonst so selbstbewusste Leni ein, denn zur Sicherheit trug sie zusätzlich Hotpants. Gemeinsam schlenderten wir durch die historischen Gassen der römischen Hauptstadt und knipsten begeistert Fotos von fast jedem alten Stein, den wir finden konnten. Nicht, dass wir das nicht bereits getan hätten. Durch die Wärme der vergangenen Tage fiel es zuerst nicht auf, doch immer mehr leicht bekleidete Menschen tauchten auf den Straßen auf. Erst nachdem der erste italienische Adonis uns lächelnd zu pfiff und unsere Aufmerksamkeit auf deutlich sichtbare Muskelpakete lenkte, konnten wir es nicht mehr ignorieren. Ich kann zwar kein italienisch, doch diese Art der Verehrung versteht jede Frau. Kichernd zogen wir die Schultern zurück und schwangen die Hüften etwas mehr. Unter pfiffen von nun deutlich mehr Männern bogen wir um eine Ecke auf den Piazza Navona... und blieben wie vom Blitz getroffen stehen. Ohne dass wir es bemerkt hatten, waren wir auf einen der bekanntesten italienischen Sklavenmärkte geraten. Der Piazza Navona war nicht etwa für seine Größe oder gute Qualität bekannt. Er war sogar eher recht klein, lag dafür aber mitten im barocken Stadtkern Roms. Ein Ort, den jeder Tourist nur zu gern besuchte. Die umliegenden Gebäude strahlten Geschichte ...
... von Jahrhunderten aus und ich musste zugeben: sie waren recht hübsch. Und doch würdigte hier keiner der dicht gedrängten Menschen irgendeine protzige Fassade. Der Markt war viel mehr dafür bekannt ausschließlich Ausländer anzubieten. Und das in einem Flair, wie man es wohl in der Antike erlebt hätte. In jedem Reiseführer wurde von diesem Markt abgeraten! Es gab bereits zu viele Skandale, bei denen naive Touristen in Ketten gelegt und heimlich verkauft wurden. Dummerweise hatte niemand von uns diese Seite des Reiseführers gelesen. An jedem Eingang gab es kleine hölzerne Bühnen, von denen man die Rufe der Verkäufer hörte, welche ihre Waren anpriesen. Die ganze Szene wirkte etwas surreal. Ich kannte Bilder von deutschen Sklavenmärkten. Diese waren modern, hell und deutlich sauberer. Was in Deutschland teuren Anzügen und stählernen Käfigen entsprach, war hier eine Tunika und ein Holzverschlag. Anstelle von verchromten Ketten und Ledermanschetten wurden nackte Waren von klobigen Fesseln gehalten. Und der Preis baumelte an einem Holzschild vom Hals hinab. Dichte Trauben von Menschen drängten sich um die Stände, prüften die Sklaven, feilschten und behandschlagten sich für einen erfolgreichen Kauf. Nur in der Mitte des Platzes konnte man sich einigermaßen frei bewegen. Mit einem breiten Grinsen ergriff Leni unsere Hände und führte uns mitten hinein. Nette und ich sahen uns erstaunt an, doch kannten wir Leni zu gut. Sie hatte sich etwas in den Kopf gesetzt, da war es besser ...