1. Römische Fesseln 01


    Datum: 13.04.2022, Kategorien: Nicht festgelegt,

    ... einfach in wohltuende Dunkelheit ab.
    
    Mein euphorischer Rausch löste sich zwar bald wieder auf, doch fühlte sich alles weiterhin gedämpft an. Sogar die Sonne auf meiner Haut. Es war fast so, als wäre ich in Watte gepackt.
    
    Nur langsam fand ich die Kraft mich umzusehen: Ich hing immer noch fest am Pfahl, doch die Menschenmenge hatte sich bereits aufgelöst und eine ungewohnte Stille lag über dem Platz. Alle Stände waren verwaist und nur einzelne Besucher huschten an den prachtvollen Häusern entlang. Auch um mich herum war es ruhig. Keine Sklavinnen, kein italienischer Führer und auch keine Leni.
    
    Meine Gedanken bewegten sich nur langsam voran und mussten sich ebenfalls durch die Watte kämpfen. Könnte ich mich selbst losbekommen? Wohl eher nicht. Dafür hatte ich keine Kraft mehr. Da hing ich doch lieber noch ein wenig ab. Leise kicherte ich vor mich hin.
    
    Ich musste einen dümmlichen Eindruck machen. Wahrscheinlich wäre ich auf diesem Markt noch völlig verblödet, wenn nicht in diesem Moment Leni und der Verkäufer aus dem Eingang traten. Sollte ich besorgt sein, dass Leni nun ebenfalls nackt war? Ich entschied mich darüber nicht nachzudenken: es zu anstrengend.
    
    Breitbeinig stellte Leni sich auf und pfiff laut los.
    
    „Na ihr seid ja ein paar Schlampen! Ich würde es nicht glauben, hätte ich nicht aus dem Fenster gesehen. Besonders du Susi. In dir ist ja eine waschechte Sklavin versteckt."
    
    Ich schaute stumpf auf Leni hinunter. Eine Erwiderung ...
    ... verkniff ich mir. Diese hätte eh der Knebel geschluckt.
    
    „Ihr beiden habt Glück. Ich konnte mich mit Padrone Guiseppe einigen. Ihr werdet HEUTE nicht verkauft."
    
    Mir gefiel gar nicht, wie Leni das Wort ‚heute' so betonte. Und auch nicht, dass es meine Kreditkarte war, mit der sie herum wedelte.
    
    „Stattdessen werdet ihr ihm eine wohlwollende Spende zukommen lassen. Er hat mir versichert, dass ihr damit noch gut weggekommen seid. Bei eurer kleinen Einlage könnte er mit euch ein Vermögen verdienen. Doch die Giorni di libertà haben nun offiziell angefangen und ihr wisst ja: kein Marktverkauf. Ihr solltet mir also lieber danken, dass ihr nicht bis zum Schluss in einem Keller zubringt! Das sind kalte Zellen, kann ich euch sagen. Und nun holen wir euch mal dort runter."
    
    Leni gestikulierte mit den Händen und tatsächlich stampfte der Italiener mit seinem bekannten fürsorglichen Lächeln auf das Podest, um uns loszumachen. Er stützte uns sogar einen Moment, weil meine Beine sich wie Pudding anfühlten.
    
    Ich stolperte fast die Stufen hinunter und erst auf dem steinernen Boden bekam ich das Vertrauen in meine Füße wieder zurück. Auch Nette ging es ähnlich, wobei mir bei deren Anblick wieder bewusst wurde, wie wenig auch ich selbst anhatte. Ich schaute nach meinem Badeanzug, doch konnte nirgendwo auch nur einen Fetzen davon entdecken.
    
    Leni war das egal, denn wie selbstverständlich ergriff sie den Anfang der Kette und führte uns im Gänsemarsch aus dem Markt hinaus. 
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