1. Römische Fesseln 01


    Datum: 13.04.2022, Kategorien: Nicht festgelegt,

    ... einfach nur mitzumachen. Wir quetschten uns also an Käufern und Touristen vorbei, bis wir an einem großen zentralen Brunnen ankamen. Leni ließ uns zum Glück erst jetzt los, denn hinter mir wogten die Menschenmasse hin und her, ohne eine Lücke erkennen zu lassen, durch die ich vielleicht den Eingang noch sehen konnte. Einzeln hätte sie uns einfach fortgetragen. Ich hatte mich schon oft in einen Schlussverkauf gestürzt, doch so ein Gedränge habe ich noch nie erlebt. Es erinnert mich direkt an Bilder vom Black Friday in den USA.
    
    „Was ist denn hier los? Ist das immer so lebhaft?"
    
    Leni hatte bereits jemanden gefunden, der unsere Sprache sprach.
    
    „Der Markt endet bald, meine Schöne. Die Giorni di libertà! Da schließen alle Märkte. Jeder will noch schnell ein gutes Geschäft machen. Wenn also jemand auf dich bieten soll, musst du dich beeilen. Ich kann dich zu einem Freund mitnehmen. Er verkauft normalerweise nur Schwarze, aber für dich macht er bestimmt eine Ausnahme!"
    
    Mit erstaunlich gutem Deutsch antwortete ein schwabbeliger Italiener. Bereits nach einem Blick wusste ich, mit dem wollte ich nichts weiter zu tun haben. Er war so fett und dreckig, dass es mich fast schüttelte. Seine Fettmassen warfen sogar bei jeder Bewegung Wellen über den ganzen Körper. Widerlich. Seinen Hals gab es schon gar nicht mehr und so saß das von Pickelnarben überzogenen Gesicht direkt auf dieser plumpen, runden Masse. Und natürlich war sein T-Shirt so früh am Morgen bereits ...
    ... durchgeschwitzt. Man konntet gerade noch die Worte 'Rent a Coffle' darauf erkennen.
    
    „Wir sehen uns nur um!" Entgegnete ich abweisend.
    
    Ich wollte Leni weiterziehen, doch der Weg wurde von einer kleinen Gruppe versperrt, die direkt auf mich zuhielten. Genervt starrte ich auf den Mann, der die Gruppe anführte, doch er ignorierte mich und wandte sich an den Fettsack neben mir, indem er ihm das Ende einer langen Kette reichte. Als mein Blick an ihr entlang glitt erkannte ich auch den Rest der Gruppe: drei nackte Sklavinnen, alle fein säuberlich hintereinander an der Kette befestigt. Sogar ihre Hände waren an die Kette gebunden, kurz vor ihren Gesichtern. Sie wären beinahe mit mir zusammengestoßen, weil sie nicht sehen konnten, was vor ihnen lag.
    
    So surreal diese Aufmachung wirkte, desto natürlicher passte sich diese Gruppe in diesen Markt ein. Hier waren Sklavinnen nichts Ungewöhnliches und irgendwie mussten ihre Käufer sie ja auch mitnehmen. Mehrere ähnliche Gruppen bahnten sich ebenfalls ihre Wege zu den Ausgängen.
    
    Was mich überraschte war, dass der Fettsack die Ketten von zwei der Frauen öffneten und diese ihrem Herrn lachend um den Hals fielen. Nur die letzte machte eine säuerliche Miene und blieb gefesselt. Nach ein paar weiteren Worten trottete die Gruppe mit einer nun deutlich kürzeren Kette weiter und verschwand in der Menge.
    
    Der fette Italiener hatte anscheinend meinen Blick gesehen, denn er hielt mir die nun leeren Halsreife vors Gesicht.
    
    „Wollt ihr auch? Ich biete ...
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