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Die Geburt der Odaliske
Datum: 27.07.2022, Kategorien: Nicht festgelegt,
... alle anderen Mädchen waren schon abgeholt worden. Er hatte mich doch nicht vergessen? Ich wusste nicht, ob ich das fürchten oder erhoffen sollte. Endlich kam er und ich wurde aus meinem Käfig und von meinen Handseilen befreit. Unwillkürlich schüttelte ich meine Arme und Beine aus, wurde aber auf meine Knie gezwungen. Mein altes Halsband wurde mir abgenommen und durch ein neues ersetzt, Leder wurde durch Metall ausgetauscht. Würde das ein Vorbote sein für mein zukünftiges Leben? Würde ich eherne Fesseln erleiden müssen? Auch meine Bein- und Fußmanschetten wurden durch metallenen ersetzt. Ein Zug an meinem neuen Halsband war das Zeichen für mich, dass ich ihm folgen sollte. Besonders freundlich schien er nicht zu sein. Bevor wir das Haus verließen, wurden mir die Augen verbunden und mir einen langen Mantel gereicht. Wieder würde ich nichts von der Stadt sehen können. Der Wagen ratterte über die Pflastersteine. Ich hoffte sehr, dass die Laune dieses Eunuchen nicht der allgemeinen Stimmung im gesamten Harem entsprach. Ich war Krankenpflegerin, und doch auch Sklavin. Wie würde meine Stellung im Harem sein? Würde ich mit den Beischläferinnen in einem Raum leben und schlafen, oder hätte ich einen eigenen Raum? Das Rütteln wirkte auf mich einschläfert, auch angesichts dessen was ich heute alle erlebt hatte. Ein Rütteln an meiner Schulter weckte mich auf, die Reise war wohl zu Ende. Mir wurde die Augenbinde abgenommen. Ich musste blinzeln, bis sich meine Augen wieder an die ...
... Helle der Sonne gewöhnt hatten. Seit dem der Käfigwagen in jenen Hof eingefahren war hatte ich die Sonne nicht mehr gesehen. Ich blieb stehen und genoss die Sonnenstrahlen. Das tat mir so richtig gut. Ein Zug an meinem Halsband brachte mich wieder zurück in meine Situation, in einen Hinterhof eines Herrenhauses in Istanbuls. Ich folgte dem Zug an meinem Hals und betrat eine Vorhalle. Es war alles sauber und weiß getüncht. Es standen Schränke und Truhen an den Wänden. Wir gingen weiter, um einen Garten mit einem Springbrunnen zu passieren. Ich hörte von weitem das Lachen und Schwatzen von Frauen, welche sich um den Brunnen versammelt hatten. Ich winkte ihnen als ich an ihnen vorbei ging. Ich wurde durch den Garten und dann in ein Haus geführt. „Das ist der Harem", wurde ich von dem Eunuchen belehrt, „Dieser Garten und dieser Bereich steht euch Frauen zur Verfügung. Auch du bist an diese Regel gebunden. Wehe du verlässt diesen Bereich allein! Auch als Pflegerin wirst du viel Mühen haben diese Wunden zu versorgen, welche wir Eunuchen dir schlagen werden. Nur wenn du gerufen wirst und einer von uns dich begleitet, kannst du diesen Bereich verlassen. Die meisten Frauen werden zu unserem Herrn gerufen, dass er ihrer Schönheit genießen kann. Bei dir wohl nicht; obwohl ich sagen muss, dass ich das bedauere. Deine Schönheit ist verschwendet, unter deinen Pflegerinnenkleider." Mit diesen Worten öffnete er eine Tür und ich stand in einem Raum mit einigen Liegen und Truhen. Es stand ...