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Erziehung zur Dienstbarkeit
Datum: 04.01.2023, Kategorien: Erotische Verbindungen,
... Münzen, die zum Teil in einiger Unordnung waren. Sein Herz schlug höher, als er die Schubladen mit der Conchiliensammlung entdeckte. Die einzelnen Muscheln und Schneckenhäuser wurden wie in einem Setzkasten auf tiefblauem Filz präsentiert. Er meinte gar einige Stücke vom Porträt der Gräfin Marianne im Kleinen Salon wiederzuerkennen, zum Beispiel eine stachelige Purpurschnecke und ein schönes Exemplar einer runden, gefleckten Schnecke. Als er das Schneckenhaus, das sich wie Porzellan anfühlte, anhob, verriet ihm ein kleiner, vergilbter Zettel, dass ihr wissenschaftlicher Name Cypraea tigris war. Georg blätterte einige Zeit in der Sammlungsbeschreibung, einer handgeschriebenen Kladde, in der weitere Informationen zu den einzelnen Stücken vermerkt waren. Er staunte nicht schlecht über die Summen, die die gräflichen Sammler für einige Muscheln bezahlt hatten. Darüber hinaus konnte man hier mehr über ihre Herkunft erfahren und oft waren auch taxonomische Details notiert. Es wurde klar, dass nicht allein die schönen Schalen der Mollusken im Mittelpunkt standen, sondern dass die Sammlung durchaus auch einen wissenschaftlichen Anspruch hatte. Beim Durchblättern blieb er an einer kleinen schematischen Zeichnung hängen, die aus Linnaeus' Standardwerk kopiert worden war. Eine Muschel imitierte hier unterhalb der Stelle, wo ihre beiden Schalen zusammenhielten, schamlos die Formen des offenen Schoßes einer Frau. Georg musste schmunzeln. Man konnte es der Muschel wohl nicht ...
... Übel nehmen, sich so ihrem Namen, Venus dione, anzupassen. Ebensowenig dem großen Taxonomen, dass es ihm in den Fingern gejuckt und er die Stelle entsprechend beschriftet hatte. Mit vulva, labia, nympha und rima hatte er die Muschel so erst vollständig zum Dienst an der Liebesgöttin befähigt. Georgs Freude der Wiedererkennung war groß und insgeheim dankte er der Direktorin von Otten für ihren Anschauungsunterricht. Bald begann jedoch der wissenschaftliche Zweifel an ihm zu nagen. Was war von einer Nomenklatur zu halten, die den Verschluss der Muschel mit dem Schoß der Göttin gleichsetzte? Außerdem weckten die ausgeprägten Stacheln, die an den Rändern der Muschelschalen herauswuchsen, sein Unbehagen. Georg seufzte. Auch die wissenschaftlichen Riesen, auf deren Schultern sie alle standen, waren wohl nicht immer frei von profanen Gelüsten. Und dennoch öffnete er am nächsten Tag die Tür zum Kleinen Salon mit dem Gefühl, seinen Dienst mit höchstem wissenschaftlichem Segen anzutreten. Maria saß wieder auf der Chaiselongue. Sie war leicht zurückgesunken und ihr Buch lag aufgeschlagen auf ihrem Schoß. Ihre Augen waren geschlossen und selbst als Georg sie leise ansprach, rührte sie sich nicht. Offenbar war sie eingeschlafen, während sie auf ihn gewartet hatte. Er studierte in Ruhe ihr entspanntes Gesicht, das ohne die lebhafte Mimik, den schnellen Mund und die strahlenden Augen ganz verändert war. Ihr Gesicht erschien ihm blasser und noch spitzer als sonst. Einen Moment ...