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Die Vorleserin
Datum: 09.04.2023, Kategorien: Erotische Verbindungen,
... sie ihre Zigarette aus und stand auf. "Ich geh ins Bad. Du kannst gerne bleiben, so lange du möchtest." Als ich das Plätschern des Wassers aus der Dusche hörte, zog ich mich an und verließ die Wohnung. Ein letztes Mal blickte ich zurück durch das Wohnzimmer in die Küche, in der mir Hanna so viel über Shakespeare und andere Dinge beigebracht hatte, und zog dann leise die Tür hinter mir zu. * Wenn wir uns danach im Flur begegneten, begrüßten wir einander verlegen, wechselten aber sonst kein Wort. Ich nahm mir immer wieder vor, nochmals zu ihr zu gehen, um ihr meine Liebe zu erklären, diesmal in den richtigen Worten. In Worten, die ihr Herz rühren würden wie die des von ihr so verehrten Barden, und denen sie nicht widerstehen konnte; notfalls vor ihr auf die Knie zu fallen und sie anzuflehen, unserer Beziehung eine Chance zu geben, aber ich fand nie den Mut. Nach und nach erschien mir unsere Affäre wie ein unwahrscheinlicher Traum. Ich begann mich mit einem Mädchen aus meiner Klasse zu treffen und war drauf und dran, über Hanna hinwegzukommen. Doch meine Gefühle wurden wieder aufgewühlt, als ich eines Tages nach einem Kinobesuch heimkam. Ich stieg gedankenverloren aus dem Aufzug und sah plötzlich, wie ein Klassenkollege von mir Hannas Wohnung verließ. Der Anblick versetzte meinem Herz einen Stich. "Frank, was machst du denn bei meiner Nachbarin?", fragte ich entgeistert. "Ach, ich wußte gar nicht, daß du gleich gegenüber von ihr wohnst. Du weißt doch, ich ...
... hab mir vor ein paar Monaten den Arm gebrochen. Im Spital hab ich mich mit dieser hübschen Krankenschwester angefreundet, und jetzt hab ich sie eben besucht. Ist ein ziemlich heißer Feger, deine Nachbarin." "Und hat sie mit dir...hat sie dir vielleicht Gedichte vorgelesen?", fragte ich mit einem Kloß im Hals. "Ach, dir womöglich auch? Jetzt wird mir einiges klar. Ist wohl ihre übliche Masche." Er grinste dreckig. "Sagen wir, deine Nachbarin ist ziemlich poetisch veranlagt." Rasende Eifersucht überkam mich. Ich hätte mich damit abgefunden, wenn sich Hanna einen Liebhaber in ihrem Alter genommen hätte, aber daß sie sich in eine Affäre ausgerechnet mit einem meiner Schulkollegen stürzte, empfand ich als Betrug an mir. Offensichtlich hatte sie mich über ihre Gründe belogen, als sie mit mir Schluß gemacht hatte. Sie hatte mich einfach abserviert, weil sie von mir gelangweilt war und den Kick brauchte, einen neuen jugendlichen Geliebten in ihr Bett zu locken. Ich hämmerte an ihre Tür. "Hanna? Ich bin's. Mach sofort auf!" Nach etwa einer halben Minute öffnete sie und sah mich finster an. "Was machst du denn hier für einen Krawall?" - "Ich muß mit dir reden." - "Wenn's sein muß. Dann komm rein und brüll nicht hier draußen herum." "Also, was in aller Welt ist los?", fragte sie in der Küche. "Was los ist? Du läßt mich fallen und treibst es dann ausgerechnet mit einem Klassenkollegen von mir?" - "Ich wußte nicht, daß ihr in dieselbe Klasse geht, oder daß du ihn überhaupt ...